Kommentar

Knapp und teuer

Archivartikel

Rolf Obertreis zu den Gründen für hohe Ticketpreise

Natürlich ist es teuer. Wer am 27. November von Frankfurt nach Berlin - Tegel und drei Tage später zurückfliegen will muss für ein Lufthansa-Ticket mindestens 208,39 Euro auf den Tisch legen. Mit etwas Pech können es auch 588,39 Euro sein - für zwei Flüge von jeweils knapp einer Stunde. Und manche Verbindungen sind ohnehin ausgebucht. Solche Flugpreise können niemandem gefallen. Aber es sind eben Knappheitspreise.

Kritiker stellen dafür allein die Lufthansa an den Pranger, doch damit machen sie es sich zu einfach: Die Hauptschuld ist vor allem bei jenen unfähigen Managern zu suchen, die über Jahre das Desaster bei Air Berlin zu verantworten haben. Lufthansa und Easyjet haben mehrere Dutzend Maschinen der insolventen Hauptstadt-Airline übernommen. Aber sie dürfen diese Jets noch nicht einsetzen, weil das Kartellamt richtigerweise noch prüft.

Also fehlen 15 Prozent des bisherigen Angebots, was nach Angaben von Lufthansa-Chef Carsten Spohr täglich umgerechnet 60 000 Sitzen entspricht. Und günstige Tickets sind wegen der höheren Nachfrage jetzt schneller ausverkauft. Die Lufthansa könnte aber zumindest bis zum Entscheid der Wettbewerbshüter mehr günstigere Tickets auf stark gefragten Strecken anbieten.

Weil unter anderem mit Easyjet Billigflieger in Deutschland ab dem kommenden Jahr eine noch größere Rolle spielen werden, steigt auch der Preisdruck - womit Tickets wieder günstiger werden dürften. Zu weit abwärts darf es aber auch nicht gehen. Davor warnen selbst Gewerkschafter. Denn so würde sich die Branche selbst ruinieren - und die Beschäftigten gleich mit.

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