Kommentar

Keine Nerven, kein Anstand

Michael Schwarz zum AfD-Landesparteitag

 

Es ist inhaltlich sehr dünn, was die Alternative für Deutschland (AfD) bei ihrem Landesparteitag in Karlsruhe präsentierte. Wobei das Treffen mit der Politik im Südwesten wenig zu tun hatte, da die beiden Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl, Alice Weidel und Alexander Gauland, im Zentrum standen. Und beide schossen mit ihren Attacken auf Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) einige Mal inhaltlich deutlich über das Ziel hinaus. Rhetorisch ging es dabei gleich mehrmals weit unter die Gürtellinie.

Man kann Merkel natürlich für ihre Flüchtlingspolitik und alle anderen Themen kritisieren. Darum geht es überhaupt nicht. Aber die Behauptung, Merkels Ziel sei die Abschaffung des deutschen Volkes, ist primitiv, populistisch und entbehrt jeglicher Realität. Das Gleiche gilt auch für die Aussage von Spitzenkandidatin Alice Weidel, Merkel sei angetrieben von nationalem Selbsthass. Wie bitte? Dass AfD-Landessprecher Marc Jongen die Kanzlerin dann auch noch mit Hitler verglich, ist unsäglich und unfassbar zugleich.

Wer die AfD wählt, sollte sich über solche Aussagen der Spitzenkräfte Gedanken machen. Zudem zeichnet die Partei ein viel zu negatives Bild von Deutschland - und ignoriert dabei die gute ökonomische Situation. Doch leider ist die AfD eine reine Wutpartei, die wegen sinkender Umfragewerte offenbar immer mehr die Nerven verliert - und den Anstand.