Kommentar

Irrwitziges Verfahren

Peter W. Ragge zum Rechtsstreit um das "Loch"

Nicht schon wieder! Viele Bürger werden wohl völlig fassungslos mit dem Kopf schütteln, dass das Kapitel "Loch" immer weiter die Gerichte beschäftigt, kein Ende absehbar ist.

Erst hat sich Mannheim bundesweit gehörig damit blamiert, ja lächerlich gemacht, als über Monate hinweg ein Feuerwehrmann für die Kunsthalle abgestellt werden musste. Schließlich hätte sich ja durch das über alle Sicherheitsvorschriften hinweg gebohrte "Loch" schlagartig Rauch ausbreiten können. Nun zieht sich der Rechtsstreit über Jahre hinweg und kostet eine Menge Steuergeld sowie die wertvolle Arbeitszeit ohnehin schon überlasteter Gerichte.

Aber wir sind nun einmal, zum Glück, ein Rechtsstaat. Da darf jeder die Richter anrufen - und die müssen auch manches absurd klingende Verfahren ertragen. Das reicht vom irrwitzigen Nachbarschaftsstreit bis zu mehrfachen Verhandlungen um ein "Loch", das es schon lange nicht mehr gibt - und wegen des Neubaus der Kunsthalle in dieser Form gar nicht mehr geben kann.

Bei der Klägerin drängt sich sehr der Verdacht auf, dass sie den juristischen Kampf gar nicht - wie sie vorgibt - im Sinne der Freiheit der Kunst führt. Vielmehr vermischen sich wohl persönliche Verletzung darüber, dass der erhoffte Erfolg durch ihre Tätigkeit in Mannheim ausblieb, mit finanziellen Interessen. Zudem hält sie sich durch immer neue Klagen weiter im Gespräch, wenn auch nur Prozess-, nicht durch Kunstberichterstattung.

Bei all dem darf man indes nicht aus dem Auge verlieren, dass der eigentliche Skandal ein anderer war. Stadtverwaltung, Stadtspitze und Gemeinderat haben damals, 2006/07, viel zu lange weggesehen, sich blenden lassen und Eigenmächtigkeiten geduldet, die letztlich so seltsame Blüten wie das "Loch" trieben.

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