Kommentar

Irreführend

Hagen Strauß hält Bayerns Testoffensive für puren Aktionismus und befürchtet, dass sich Menschen fälschlich in Sicherheit wiegen

Bisher sind Gesundheitsminister Jens Spahn und der bayerische Ministerpräsident Markus Söder bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie auf einer Linie gewesen. Je rigider, desto besser, lautete das Motto der Unionspolitiker.

Doch diesmal ist das anders. Wenn auch Spahn Kritik an Bayerns Testoffensive für alle 13 Millionen Bürger des Freistaats übt, dann zeigt das, dass dieser Plan doch eher aktionistisch als sinnvoll ist. Sicher, Söder hat gern die Vorreiterrolle inne. Speziell im Vergleich zu seinem Konkurrenten in Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet. Der erlebt ja gerade wegen der Zustände in der Fleischindustrie eine Art Corona-Gau, wenngleich der Lockdown zumindest für einen Kreis jetzt wieder aufgehoben werden wird.

Und Söder hat recht: Tests sind selbstverständlich der richtige Weg, um das Virus zu lokalisieren und die Ausbreitung zu verhindern. Neben Abstand halten und Maske tragen. Doch Sinn ergeben Tests von Personen ohne Krankheitssymptome nur dann, wenn sie regelmäßig und möglichst oft wiederholt werden. Schließlich kann man negativ sein, sich aber auf der Busfahrt vom Arzt nach Hause dann doch anstecken. Die Aussagekraft ist somit nur eine Art Momentaufnahme, die man unter Umständen für eine Reise oder einen Besuch benötigt. Mehr nicht.

Außerdem muss Söder noch erklären, woher er die Kapazitäten nehmen will und wie er sein Vorhaben umsetzen möchte. Skepsis ist somit auch deshalb angebracht. Das Hauptproblem ist allerdings: Tests für alle suggerieren eine Sicherheit für alle, die es in dieser Form nicht gibt. Das wiederum könnte dazu führen, dass andere Schutzmaßnahmen vernachlässigt und die Menschen leichtsinnig werden. Viele sind es ja bereits schon. In der jetzigen Phase der Pandemie, in der es immer noch keinen Impfstoff gibt, kann das aber fatale Folgen haben.

 
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