Kommentar

Insel statt Planet

Archivartikel

Thomas Spang vermutet, dass US-Präsident Donald Trump wegen der Bodenschätze Interesse an Grönland hat

Die schönsten Parodien schreibt das Leben. In diesem Fall der US-Präsident, dessen Begehrlichkeiten, Grönland zu kaufen, anfangs kaum jemand ernst nahm. Nicht einmal seine eigenen Mitarbeiter im Weißen Haus, die den Prüfungsauftrag erst einmal auf Eis gelegt hatten. Trump höchstpersönlich bestätigte dann Medienberichte, dass er es ernst meinte. Klar wäre der Kauf strategisch interessant und könne bei seinem Besuch in Kopenhagen am 2. September besprochen werden. Aber es sei gewiss nicht „oberste Priorität“.

Nachdem die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen dem „großen Immobilien-Geschäft“ eine unmissverständliche Absage erteilt hatte, schmollt der Narzisst. „Ich werde unser Treffen in zwei Wochen auf ein andermal verschieben“, twitterte Trump.

Aus Sicht des US-Präsidenten hätte er den Dänen, die als Nato-Partner „den Schutz der USA genießen“, eigentlich nur einen Gefallen tun wollen. Denn Grönland sei eine schwere Last für das Königreich geworden. „Sie halten es mit sehr hohen Verlusten.“ Was genau er damit meint, ließ er offen.

Die Grönland-Affäre gibt Einblick in die Sicht des Präsidenten auf die Welt, in der große Mächte Staaten wie Figuren auf dem Schachbrett bewegen. Mit dem Erwerb Grönlands wären die USA unter seiner Führung in den Besitz der „größten Insel der Welt“ gelangt, die sechs mal so groß wie Deutschland ist und geografisch ohnehin zu Nordamerika gehört.

Unter dem 3400 Meter dicken Eisschild, der weite Teile bedeckt, werden enorme Bodenschätze vermutet. Je schneller das Eis schmilzt, umso besser für den geschäftstüchtigen Präsidenten, der dann nicht zum Mars aufbrechen muss, um neue Gebiete zur Kolonialisierung zu erschließen. Erklärt wären so auch die Begeisterung des US-Präsidenten an fossilen Brennstoffen, laxen Emissionsvorschriften und der Unterminierung des Weltklima-Abkommens.

Trump hat auch schon einen Mitstreiter gefunden, der das potenzielle US-Territorium schon einmal inspizierte. Die USA hätten in Thule bereits eine strategische Militärbasis, erklärte der Demokrat Joe Manchin, der die Idee des Präsidenten als „sehr interessant“ lobte. Der Senator aus dem Kohle-Staat West-Virginia teilt übrigens auch die Begeisterung für den fossilen Energieträger, der dazu beiträgt Grönland schneller von seinen Eismassen zu „befreien“.

Wie schon Harry S. Truman, der nach dem Zweiten Weltkrieg einhundert Millionen Dollar für den Erwerb der Insel angeboten hatte, sagten die Dänen Trump mit eisiger Klarheit: Nej Tak!, also auf Deutsch „Nein, Danke!“