Kommentar

Ins eigene Fleisch

Rolf Obertreis zu den Krankmeldungen bei Air Berlin

 

Als ob alles nicht schon schlimm genug wäre, melden sich bei der kriselnden Air Berlin Dutzende Piloten krank. Es ist kaum vorstellbar, dass sie sich nicht abgesprochen haben. Die Folge: Nachdem am Dienstag schon 164 Flüge gestrichen werden mussten, waren es gestern wieder mehr als 30. Angeblich geht es den Piloten um vertragliche Zusagen, die ihnen weggenommen werden sollen. Natürlich sind die Piloten nicht für das Desaster der Fluglinie verantwortlich. Das liegt am jahrelangen Missmanagement. Trotzdem geht das Verständnis gegen Null.

Die Piloten beschwören das vorzeitige Ende von Air Berlin herauf - bevor Käufer gefunden sind. Sie treiben ihr Spiel auf dem Rücken der 8000 anderen Mitarbeiter und riskieren das Aus dieser Jobs. Sie verärgern Zehntausende Passagiere, deren Flüge ausfallen. Nicht zuletzt trifft es den Steuerzahler, der Air Berlin einen Kredit von 150 Millionen Euro gewährt hat, damit auch die Piloten weiterbezahlt werden können. Kein Wunder, dass die Regierung sauer ist.

Niemand wird in dieser Situation einen Flug bei der maroden Gesellschaft buchen. Mehrere Millionen verliert Air Berlin durch die Flugausfälle, zusätzlich zu Miesen von bis zu vier Millionen, die ohnehin jeden Tag eingeflogen werden. Im Übrigen schneiden sich die arbeitsunwilligen Piloten ins eigene Fleisch. Wer wird sie übernehmen oder künftig beschäftigen wollen? Durch Streiks lassen sich das endgültige Aus, der Verkauf und letztlich die Zerschlagung von Air Berlin nicht verhindern. Die Folgen lassen sich mildern, wenn alle an gemeinsamen Lösungen arbeiten. Und nicht auf den vermeintlich eigenen Vorteil schielen.