Kommentar

In der Kreidezeit

Stefan Vetter hat kein Verständnis für das Hickhack zwischen Bund und Ländern um den Digitalpakt

Die Lehrer arbeiten vornehmlich mit Smartboards, einer interaktiven Tafel. Und die Lehrbücher sind demnächst auch digital. So ist das in Estland. Dort gehört das digitale Klassenzimmer zum Bildungsalltag. In Deutschland dagegen müssen sich Schüler im Unterricht mit museumsreifen Computern herumplagen. Breitbandanschluss? WLAN? Fehlanzeige. Umso bizarrer wirkt der Streit, den Bund und Länder beim Digitalpakt für Deutschlands Schulen aufführen.

Berlin bietet fünf Milliarden Euro an, um die Kreidezeit dort endlich zu beenden, verlangt dafür aber auch die Durchsetzung bestimmter Qualitätsstandards sowie eine hälftige Co-Finanzierung von künftigen Bildungs- und anderen Programmen durch die Länder. Von denen malen einige deshalb jetzt das Gespenst einer zentralistischen „Einheitsschulpolitik“ an die Wand, und alle gemeinsam lehnen die Festschreibung einer paritätischen Finanzierung ab. Motto: Der Bund soll gefälligst Geld rausrücken, aber ansonsten die Klappe halten.

Nach der Ministerpräsidentenkonferenz gestern in Berlin haben sich die Fronten hier sogar noch weiter verhärtet. So droht der Digitalpakt grandios zu scheitern. Eltern und Schüler werden darüber nur den Kopf schütteln. Ihnen ist es herzlich egal, aus welcher Kasse das dringend benötigte Geld für den digitalen Schulausbau genau kommt. Hauptsache, es kommt überhaupt. Bund und Länder müssen dringend eine Lösung finden. Sonst heißt es: setzen, sechs!

 
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