Kommentar

Hilft nur ein bisschen

Steffen Mack über das neue Konzept zur Altersfeststellung

Gewiss: Das Alter von vermeintlich minderjährigen Flüchtlingen zentral festzustellen, klingt sehr sinnvoll. Aber man darf sich davon nicht zu viel versprechen. Selbst medizinische Analysen liefern kein verlässliches Ergebnis. Bei Knochenuntersuchungen etwa sind nach oben wie unten Abweichungen von bis zu zwei Jahren möglich. Wer auf 17 taxiert wird, könnte also auch 15 oder 19 sein. Helfen würde nur, wenn jemand zweifelsfrei nicht mehr minderjährig sein sollte. Dann wäre er fortan wie jeder erwachsene Flüchtling zu behandeln (vor Gericht indes ist mitunter bis 21 Jugendstrafrecht anzuwenden).

Aus gutem Grund verzichten bislang Jugendämter wie das in Mannheim in der Regel auf medizinische Untersuchungen. Stattdessen wird das Alter nach einem standardisierten Verfahren unter anderem im Gespräch mit den Jugendlichen festgesetzt.

Darüber ist aber ein – ziemlich sinnloser – Streit mit dem Stuttgarter Innenminister Thomas Strobl entbrannt. Der CDU-Mann überzog den Mannheimer SPD-Oberbürgermeister Peter Kurz mit haltlosen Vorwürfen. Auch andernorts entzünden sich immer wieder Konflikte an der Altersfeststellung.

Daher ist das zentrale Konzept nun unterm Strich durchaus zu begrüßen. Es mag inhaltlich kein großer Fortschritt sein, hilft aber, den Blick auf die wahren Probleme zu richten. Das ist in diesen Tagen doch schon mal was.

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