Kommentar

Herausforderer Nummer eins

Christian Rotter zu den Erfolgsaussichten der Adler

Pavel Gross weiß, was von ihm in Mannheim erwartet wird. „Wir sind geholt worden, um hier etwas zu gewinnen“, hatte er Anfang Juli bei seiner Präsentation bestätigt. Der neue Trainer gilt als großer Hoffnungsträger. Er ist das Gesicht des Umbruchs, dem sich der Club verschrieben und mit seltener Konsequenz vorangetrieben hat.

Mit Pavel Gross steht und fällt das Projekt Neuausrichtung bei den Adlern. Der dreifache Mannheimer Meisterspieler hat Vertraute um sich geschart, die ticken wie er und mit denen er sich auf Augenhöhe austauschen kann. Co-Trainer Mike Pellegrims und Manager Jan-Axel Alavaara haben wie Gross Dreijahresverträge unterschrieben. In diesem Zeitraum soll ein Titel her. Nicht mehr – aber auch nicht weniger.

Klares Konzept

Ob der eingeschlagene Weg zum Erfolg führen wird? Sicher ist das nicht. Im Vergleich zu den Vorjahren ist aber immerhin ein Konzept zu erkennen. War es zuletzt oft so, dass eine Philosophie verkündet wurde, nur um nach deren Scheitern in die genau andere Richtung zu marschieren, hat Gross die Veränderungen in Mannheim mit Sinn und Verstand vorangetrieben.

Bei der Transferpolitik blickt der Club über den nordamerikanischen Tellerrand hinaus, mit Markus Eisenschmid und Nico Krämmer haben die Adler ihren deutschen Sektor erheblich verstärkt, und die Förderung des eigenen Nachwuchses wird nicht mehr länger nur propagiert, sondern in die Tat umgesetzt.

Über Geld spricht man nicht – man hat es: Die Adler wollen nicht preisgeben, was ihnen die Neuausrichtung, die Investitionen ins Personal und die Infrastruktur Wert gewesen sind. Fest steht aber, dass Gesellschafter Daniel Hopp sich die Radikalkur einiges kosten gelassen hat. Wenn das Ergebnis aber eine gesündere Hierarchie in der Mannschaft, ein Trainerteam auf Topniveau und eine sportwissenschaftliche Betreuung auf dem neuesten Stand ist, ist das Geld besser angelegt, als es nach dem Gießkannenprinzip zu verteilen.

Die DEL-Konkurrenz verfolgt den Umbruch der Adler mit Interesse – und mit steigendem Respekt. Die Umfrage unter Trainern und Sportlichen Leitern zeigt, dass die Mannheimer als Herausforderer Nummer eins von Meister München gesehen werden. Mit diesem Druck müssen die Adler zurecht klarkommen.

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