Kommentar

Gutes tun geht nur mit Geld

Peter W. Ragge zur Markthaus-Insolvenz

Diakonie, Caritas, Arbeiterwohlfahrt, Rettungsorganisationen – die Liste ließe sich fortsetzen. All diese Institutionen haben in Mannheim schon mit enormen wirtschaftlichen Schwierigkeiten und tiefroten Zahlen zu kämpfen gehabt. Die Insolvenz vom Markthaus hat jetzt zwar viele Menschen aufgerüttelt, doch sie ist nur die gerade aktuelle Spitze des Eisbergs.

Als Hauptproblem erweist sich oft: Es reicht einfach nicht, Gutes tun zu wollen. Gut gemeint ist eben nicht immer gut, wenn die Kasse nicht stimmt. So wichtig es ist, Menschen helfen zu wollen, so muss das doch einhergehen mit Wirtschaftlichkeit. Auch gemeinnützige Betriebe kommen nicht umhin, Überschüsse zu erwirtschaften – zwar nicht als Ausschüttung an Kapitaleigner, aber doch zumindest so viel, dass es für nötige Investitionen im eigenen Betrieb reicht.

Strukturen erhalten

Leider kommt oft das dazu, was man „Strukturmängel“ nennt – die höfliche Umschreibung dafür, dass in gemeinnützigen Unternehmen manchmal nicht gerechnet, nicht genau hingeschaut wird und das dann in einem Chaos gipfelt. Wirtschaftlichkeit und Menschlichkeit müssen kein Widerspruch sein. Aber weil ja alles gut gemeint war und sozial sein soll, unterbleibt häufig zu lange die Kontrolle – bis es zu spät ist.

Der Steuerzahler kann und darf nicht zur Kasse gebeten werden, solche Versäumnisse aufzufangen. Aber wenn die Insolvenz abgewickelt und das Markthaus gerettet ist, muss die Stadt sicherstellen, die wichtigen Strukturen zu erhalten – sprich die Arbeitsplätze für Behinderte und die Nahversorgungsmöglichkeiten in den Stadtteilen. Sonst wären unterm Strich die Kosten für die Allgemeinheit höher als ein Zuschuss für eine Einrichtung wie das Markthaus.

Zum Thema