Kommentar

Große Chance

Tobias Käufer zur Diplomatie in der Venezuela-Krise

Die Revolution in Venezuela bleibt aus: Der Schwung der ersten Tage ist dahin, die bürgerlich-konservative Opposition um Interimspräsident Juan Guaidó hat zwar die Rückendeckung der Mehrheit des Volkes und auch großer Teile der internationalen Staatengemeinschaft, doch der Präsident heißt noch Nicolás Maduro. Die Lager stehen sich unversöhnlich gegenüber, in ihrem Rücken die Supermächte USA, Russland und China.

In dieser Phase versuchen nun Mexiko und Uruguay einen diplomatischen Vorstoß. Mit einem Vier-Punkte-Plan wollen sie versuchen, die beiden Seiten erst zu einem Dialog und schließlich zur Umsetzung dieser Vereinbarung zu bewegen. Daran sind schon andere gescheitert: beispielsweise der Vatikan. Und auch diesmal sind Zweifel angebracht, wenn Maduro begeistert zusagt oder weil Mexikos und Uruguays Regierungen eher als Venezuela-Befürworter auftraten. Sie haben Neutralität versprochen.

Deswegen hat dieser diplomatische Vorstoß eine Chance verdient. Wenn es lateinamerikanischen Kräften gelingt, aus eigenem Antrieb diese fast unlösbare Krise zu lösen, dann wäre das für die Region ein riesiger Schritt nach vorn. Und für die Unabhängigkeit Venezuelas wäre das Beste, wenn die Zukunft in Venezuela nicht in Moskau, Peking, Havanna oder Washington entschieden wird, sondern an einem Verhandlungstisch mit beiden Parteien in Montevideo. Die Alternative wäre nämlich verheerend: noch mehr Flüchtlinge und ziemlich sicher noch mehr Gewalt, vielleicht sogar ein Krieg.