Kommentar

Globales Versagen

Archivartikel

Tobias Käufer zum Beginn des Treffens der G20-Finanzminister: Die reichen Nationen schotten sich ab und überlassen die Probleme den armen Ländern

Der Brexit in Europa oder die „Amerika zuerst“ Politik von US-Präsident Donald Trump sind erste Vorboten: Die reichen Industrienationen wollen sich abschotten, um durch Protektionismus ihren Wohlstand zu retten. In Buenos Aires treffen sich am Wochenende die Finanzminister der G20-Staaten. Längst ist dieses Bündnis der reichsten Nationen gespalten und geht lieber aufeinander los, statt die globalen Probleme zu lösen: Klimawandel, Migration, Drogenhandel und Geburtenexplosion.

Besonders deutlich wird das am Beispiel Mittelamerikas. US-Präsident Trump sind die nach Mexiko ausgelagerten Arbeitsplätze der Autoindustrie ein Dorn im Auge. Er will diese Jobs zurückholen. Für Mexiko hätte das schlimme Folgen, denn die Produktion der Fahrzeuge ist für die mexikanische Wirtschaft enorm wichtig. Bricht dieser Faktor weg, wird es neue Migrationsbewegungen in Richtung USA geben.

Auch der Drogenhandel ist ein globales Problem. Ohne den lukrativen Markt in den USA und Europa gäbe es in Kolumbien und Mexiko keine milliardenschwere Drogenmafia. Sie liefert, was der amerikanische und europäische Kunde wünscht. Ohne dass die Abnehmer in den Edelclubs, Werbeagenturen und Künstlerkreisen der westlichen Welt auch nur eine Sekunde darüber nachdenken, welch verheerende Konsequenzen ihr Kokskonsum in Lateinamerika hat: Umweltzerstörung, Bürgerkrieg, Korruption.

Und das weltweite Bankensystem hilft bei der Geldwäsche. Genauso wie bei der Steuerhinterziehung – einer anderen Geißel der Jetztzeit. Auch die voranschreitende Vernichtung des südamerikanischen Regenwaldes, der Lunge des Planeten, ist nicht lokal, sondern nur global zu lösen, indem die reichen Industrienationen den Amazonas-Anrainerstaaten finanziell unter die Arme greifen.

Der exklusive Zirkel der G20 ist für viele linke soziale Bewegungen ein Lieblingsfeind, steht er doch für eine sogenannte neoliberale Wirtschaftspolitik, die hauptverantwortlich sein soll für die Probleme dieser Welt. Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit. Es gibt nämlich auch noch eine zweite Form des Protektionismus: Die schweren Menschenrechtsverletzungen in Venezuela, Kuba oder Nicaragua kontern linke Politiker gerne mit dem Verweis darauf, dass sich der Rest der Welt nicht in die inneren Angelegenheiten dieser Länder einzumischen hätten.

Das ist ein seltsames Verständnis: Solange es linken Ideologien dient, ist schnell von offenen Grenzen die Rede. Wird im eigenen Lager gefoltert, gemordet oder verhaftet, werden plötzlich ganz schnell die Grenzen wieder hochgezogen und auf die nationale Zuständigkeit verwiesen. So geht es aber nicht: Anspruch auf Menschenrechte, wirtschaftliche Entwicklung und ein Recht auf eine würdige Zukunft haben alle Bewohner dieses Planeten.

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