Kommentar

Geld und Geltung

Walter Serif über Thilo Sarrazins Kampf um die Mitgliedschaft in der SPD: Der populäre Buchautor will bei Lesern seriös wirken

Der Jubel in der SPD ist verständlich. Thilo Sarrazin besitzt zwar noch ein rotes Parteibuch, aber bei den Sozialdemokraten hat er schon lange nichts mehr verloren. Mit seinem Rassismus, der sich pauschal gegen Muslime richtet, und der Islamfeindlichkeit steht der ehemalige Berliner Finanzsenator nicht mehr auf dem Boden des Grundgesetzes. Sarrazin passt mit seinen politischen Ansichten viel besser in die AfD. Kein Wunder, dass ihn diese Partei bereits kurz nach der Entscheidung der Schiedskommission ermunterte, bei ihr mitzuarbeiten.

Die SPD hätte Sarrazin am liebsten schon viel früher rausgeworfen. Aber die Hürden dafür sind in einer Demokratie sehr hoch. Und das ist auch richtig so. Eine Partei muss es ertragen, wenn ihre Mitglieder unterschiedliche Meinungen vertreten. Deshalb endete nach dem ersten erfolglosen Verfahren 2010 ein Jahr später das zweite mit einem Vergleich. Sarrazin behauptete damals, er habe weder Migranten diskriminieren noch sozialdemokratische Grundsätze verletzen wollen. Aber seitdem hat er sich weiter als unverbesserlicher Überzeugungstäter erwiesen, der in seinen Büchern auch noch den Anspruch erhebt, er würde wissenschaftliche Methoden anwenden. Es gibt einfach Grenzen, die Sarrazin ständig überschritten hat.

Dass er sich mit dem Schiedsspruch nicht abfinden und alle Rechtsmittel ausschöpfen will, ist klar. Der Buchautor hat mit seinen menschenverachtenden Thesen Millionen verdient – auch, weil ihm die Mitgliedschaft in der SPD eine gewisse Seriosität verleiht. Der Parteiausschluss würde ihn für die Leser weniger interessant machen – und damit auch für die Verlage. Das würde ihn beim nächsten Buch Geld kosten.