Kommentar

Fast alles in Butter

Peter W. Ragge über die Umfrage zur Kulturpolitik

Sensationell gut – so bewerten die Mannheimer ihr Kulturangebot. Und das stimmt. Für die Größe der Stadt ist hier enorm viel los. Ob bedeutende Häuser oder Kleinkunst, ob abgehoben-schräge Performance für Minderheiten oder fröhliches Boulevardtheater für die Masse – alles da. Neben den etablierten Einrichtungen sind immer wieder neue Stätten entstanden, zuletzt Eintanzhaus oder Jazzclub „Ella & Louis“. Und auch in den Vororten, nicht allein im Zentrum, blühen wichtige kulturelle Pflanzen.

Also alles in Butter? Nicht ganz. Die Sanierung des Nationaltheaters wird nicht nur finanziell eine Herausforderung, sondern durch die vierjährige Schließung auch das ganze Angebotsspektrum und Besucherströme verändern. Die Reiss-Engelhorn-Museen sind chronisch unterfinanziert, und ob sich die Stadt bei einer schlechteren Wirtschaftslage noch steigende Zuschüsse an die freie Szene leisten kann, dürfte zweifelhaft sein. Kulturpolitik bleibt also spannend.

Wer von Anfang an für einen modernen Erweiterungsbau der Kunsthalle plädiert hat, kann sich aber bestätigt fühlen – durch die Umfrage wie auch die tatsächlichen Besucherzahlen. Und das Haus macht wirklich alles, um die Hemmschwelle weiter zu senken.

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