Kommentar

Es klappt – irgendwie

Bettina Eschbacher denkt an das Miteinander

Nach einer Woche Zwangs-Homeoffice schickt der Kollege eine Nachricht über den Gruppenchat: „Mir reicht’s, ich will wieder ins Büro mit euch!“ Und alle anderen pflichten ihm voller Überzeugung bei. Was am Anfang den Reiz des Informellen hatte, etwa sich in Schlabberhose an den Schreibtisch zu setzen, hat schnell seinen Charme verloren.

Eine Ursache für den Frust ist die fehlende Vorbereitung. Die wenigsten Unternehmen haben Erfahrung mit Homeoffice für ganze Abteilungen und dann auch noch über Wochen hinweg. Da fehlt es an technischer Ausrüstung, am Zugriff auf gemeinsam genutzte Daten oder Arbeitsmittel. Schließlich muss jetzt etwas koordiniert werden, das von einem Team zu einem Gebilde aus Satelliten, lauter Einzelkämpfern mutiert ist. Kein Wunder, dass wir gerade kollektive Überforderung erleben. Vor allem Eltern, die noch Kinder betreuen und Schule ersetzen müssen.

Und trotzdem gibt jeder sein Bestes, werden die Aufgaben erledigt, die Ziele erreicht. Irgendwie – mit viel Improvisation, viel Kreativität und einigen Reibungsverlusten. Aber wir wursteln uns durch – darauf können wir stolz sein. Mehr geht gerade nicht.

Dabei dürfen wir das Menschliche nicht vergessen, gerade jetzt nicht. Eine falsch verstandene E-Mail, eine übereilte Telefonkonferenz – schnell fühlt sich der Einzelne im einsamen Arbeitszimmer abgehängt, nicht mehr zugehörig. Das ist gefährlich. Dazu kommen persönliche Sorgen um den Arbeitsplatz, die Gesundheit, die isolierten Eltern, die Kinder, die in weiter Ferne leben. Deshalb geht es jetzt nicht nur darum, so gut wie möglich die Arbeit zu erledigen. Es muss auch darum gehen, so gut wie möglich füreinander zu sorgen. Mit allen Mitteln der Kommunikation.

Wir müssen Abstand halten, sind räumlich isoliert. Aber wir können uns noch ein Lachgesicht aufs Handy oder eine aufmunternde E-Mail schicken. Und vor allem können und müssen wir miteinander sprechen und uns versichern, dass wir zusammengehören – irgendwie . . .