Kommentar

Es droht Klimasturz

Peter Reinhardt mahnt zur Ehrlichkeit beim Umweltschutz

Der Kampf gegen die Erderwärmung und den Klimawandel hat in Umfragen derzeit höchste Zustimmungswerte. Entsprechend ermutigt fühlen sich in Baden-Württemberg die Grünen, jetzt mit einem Klimaschutzkonzept ernst zu machen. Nur steht zu vermuten, dass es sich da um theoretische Einsichten der Bürger handelt.

Wird es nämlich konkret mit Maßnahmen zur Reduzierung des Treibhausgases, sind liebgewordene Gewohnheiten bedroht. Die Meisten von uns haben eine Achillesferse in ihrem Klimapanzer. Die einen verzichten für den Klimaerhalt gerne auf Fleisch, machen dann aber ihre persönliche Ökobilanz durch Urlaubsflüge kaputt. Junge Leute in den Städten haben vielleicht kein eigenes Auto, bestellen aber Klamotten im Internet und schicken die bei Nichtgefallen zurück. Am Pranger der Umweltschützer stehen die Autofahrer, denen man das Fahren in den Städten erschweren will. Aber die Dieselfahrverbote in Stuttgart zeigen, wie schnell die Stimmung kippt, wenn Einschränkungen tatsächlich kommen.

In der Gesellschaft droht ein Klimasturz, wenn die Politik im Kampf gegen die Treibhausgase ernst macht. Selbst Vorkämpfer wie Landesverkehrsminister Winfried Hermann ahnen das offensichtlich. Mit sprachlichen Verbrämungen wie dem „Mobilitätspass“ wird der Griff in den Geldbeutel des Autofahrers schöngeredet. Die Politik sollte aber mit ihren Wählern ehrlich umgehen.

 
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