Kommentar

Entscheidende Wochen

Stefan Proetel über die Situation des Einzelhandels

Die Hoffnung war verständlicherweise groß, als es wieder losging. Die Hoffnung, dass die Kunden in Scharen wiederkommen, um sich neu einzukleiden, ein Eau de Toilette zu kaufen oder die ausgelatschten Joggingschuhe zu ersetzen. Viele Wochen nach Wiedereröffnung ist klar: Auch für den Einzelhandel gibt es ein Leben vor und nach Corona. Auch wenn das Klagen schon immer irgendwie zum guten Ton gehörte – vor der Pandemie ging es den meisten Händlern in der City gut. Nun aber leiden sie beim Blick in die Bilanzen. Und die Prognose ist wenig freundlich.

Innenstädte brauchen Frequenz. Frequenz bringt Umsätze – und nur wer Umsätze hat, kann sich die Miete in begehrten Lagen leisten. Nun aber fehlen in den Fußgängerzonen die Menschen. Viele Innenstadtbüros sind verwaist und werden es – Stichwort: Homeoffice – auch bleiben. Die Krise hat die Händler getroffen, aber auch ihre Kunden – sparen statt shoppen heißt es bei ihnen jetzt und in nächster Zeit. Und: Nur wenige haben offensichtlich Lust, mit einer von ihnen als lästig empfundenen Maske im Gesicht Sandalen oder Stilettos anzuprobieren. Diese (und andere) Einschränkungen sind aber auch künftig notwendig, um das Virus im Schach zu halten. Wer die Einzelhändler in der Stadt unterstützen will, muss das Maskentragen ertragen. Denn in diesen Wochen entscheidet sich, welche Händler auch künftig noch für ihre Kunden da sein werden. Und damit, ob das Angebot in Mannheim so groß bleibt wie gewohnt.

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