Kommentar

Enge Verbindung

Rolf Obertreis über die chinesischen Investitionen

Manchen mag es recht sein: Die heimische Konjunkturflaute und die Belastungen durch den Handelskonflikt mit den USA lassen chinesischen Firmen weniger Geld und Zeit, sich um Übernahmen in Europa und besonders in Deutschland zu kümmern. Damit sinkt die Gefahr, dass sie abkupfern und Know-how deutscher Firmen nutzen, denken vielleicht manche. Umgekehrt sind viele deutsche Unternehmer verärgert, weil sie nicht dieselben Möglichkeiten haben wie Chinesen in Deutschland – die Übernahme eines Unternehmens im Reich der Mitte ist faktisch unmöglich.

Tatsache aber ist: Die wirtschaftlichen Verbindungen zwischen Deutschland und dem Reich der Mitte werden immer enger. China ist etwa für die deutschen Autohersteller und den Maschinenbau mittlerweile der größte Absatzmarkt. An der inzwischen zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt kommt die vor allem auf Exporte und das Auslandsgeschäft angewiesene deutsche Wirtschaft nicht vorbei. Dabei genießen deutsche Firmen im fernen Osten ein exzellentes Ansehen. Deswegen wird das Engagement von Chinesen hierzulande wieder zunehmen. Und deutsche Firmen haben durchaus ein Interesse an chinesischen Miteigentümern. Das zeigt zum Beispiel der Einstieg des chinesischen Autokonzerns BAIC bei Daimler vor dem Hintergrund des massiven Ausbaus der Elektromobilität in China.