Kommentar

Empfindlicher Verlust

Georg Spindler über das vorläufige Ende der Halle 02

Es ist ein schwerer Schlag für die Popkultur in der Region, dass die Heidelberger Halle 02 ihr Konzert- und Club-Programm „auf unbestimmte Zeit“ aufgeben will. Damit fällt die mit 1500 Plätzen größte Konzertstätte Heidelbergs als Bühne für kreative, unkonventionelle Pop- und Rockmusik fernab des Mainstreams aus. Ebenso schmerzlich ist der Verlust für die Techno-, House- und Elektro-Szene, die hier ein Zuhause fand. Und schließlich fehlt auch noch ein gefragtes Forum für den musikalischen Nachwuchs etwa aus der Mannheimer Popakademie.

Der Wegfall dieser Auftrittsstätte ist eine empfindliche Beschädigung der kulturellen Infrastruktur in der Region. Selbst wenn der Betrieb – irgendwann, nach Corona – wieder aufgenommen werden sollte, dürfte der Schaden immens sein. Weil alle Veranstaltungshäuser auf viele Monate im Voraus planen, wird ein Pausieren in der Planung der Halle 02 naturgemäß Programmlücken zur Folge haben. Und ob sich der Personalstamm des Kulturzentrums dann noch auf dem jetzigen Niveau befinden wird, ist auch fraglich. Die Situation zeigt, wie verletzlich gerade auch die Popszene in Corona-Zeiten ist.

Unterstützung dringend nötig

Dies wird dadurch verschärft, dass die Halle 02 privatwirtschaftlich betrieben wird und keine öffentlichen Zuschüsse erhält. Es ehrt zwar die Stadt Heidelberg, dass sie die „tolle Arbeit“ im Kulturzentrum lobt. Aber die unverbindlichen Floskeln erinnern eher an eine Grabrede als an ein Programm zur Lebenshilfe. Das wäre jetzt aber bitter nötig.

Im Übrigen nicht nur für Kulturinitiativen, die im Schatten der strahlenden institutionalisierten Kultur ihr Dasein fristen, sondern auch für die vielen frei tätigen Kulturschaffenden, die schon bald im fünften Monat ohne Auftritte mit spärlich fließender Unterstützung sehen müssen, wie sie über die Runden kommen. Die Beschwörungsformeln vieler Politiker vom Wert der Kultur für unsere Gesellschaft scheinen nur Sonntagsreden zu sein.

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