Kommentar

Einfach vorbildlich

Werner Kolhoff lobt den Umgang mit dem Erbe der DDR

Es ehrt Roland Jahn, den obersten Chef der Stasi-Unterlagenbehörde, dass er an der Abschaffung der eigenen Einrichtung mitarbeitet. Obwohl er selbst durch seine Ausbürgerung einst ein Opfer der Stasi war. Und obwohl viele Veteranen der DDR-Opposition an dieser Institution hängen. Denn sie symbolisiert auch den Sieg der Opfer über die Täter. Aber schon in elf Jahren wird die DDR länger weg sein, als sie existiert hat.

Jahn hat eingesehen, dass es keinen Sinn ergibt, sich an die zerbröckelnden Akten zu klammern, sondern dass es wichtiger ist, sie dauerhaft für die Zukunft zu sichern. Und dafür gibt es jetzt ein Zeitfenster. Das Stasi-Unterlagengesetz mit seinen Auskunftsrechten soll bleiben, doch wird die Zahl der direkt Betroffenen immer kleiner.

Der längerfristige Blick richtet sich deshalb auf die historische Forschung, auf Tagungen und Publikationen zum Thema DDR-System insgesamt. Dazu braucht man alle Bereiche. Die vorgeschlagene Integration in das Bundesarchiv ermöglicht die dafür notwendige Zusammenlegung der Stasi-Akten mit den beim Bundesarchiv lagernden Beständen über die Massenorganisationen der DDR und die Staatspartei SED zu einem großen DDR-Archiv. Und zwar nicht irgendwo, sondern am Standort Berlin-Lichtenberg, der alten Stasi-Zentrale. Investitionen in die Digitalisierung und die Konservierung der Papiere kommen hinzu.

Der Umgang mit den Hinterlassenschaften der DDR-Diktatur ist bisher in Deutschland einzigartig konstruktiv verlaufen. Die Opfer haben Aufklärung erfahren. Die Täter wurden weitgehend aus Schlüsselbereichen ferngehalten. Es wurde nicht verdrängt, aber es fand auch keine hysterische Verfolgungswelle statt. Zu wünschen ist, dass viele Völker dieser Welt möglichst bald in die Lage kommen, diesem Vorbild nacheifern zu können.