Kommentar

Einfach mal machen!

Friseurgesellin und Arbeitserzieherin Gesine Sopha hat in Mannheim ein einzigartiges Projekt geschaffen – und sogar deutschlandweit das erste dieser Art. Mit ihrer Idee für einen inklusiven Friseursalon, der psychisch erkrankten Menschen mit ihrer Unterstützung ein geschütztes Umfeld bietet und trotzdem ein lebensnahes Arbeiten ermöglicht, hat Sopha sogar noch einen Schritt weitergedacht. Denn der Salon „V.I.U.S.“ bindet zusätzlich Kunden ein, die sich den Luxus eines Friseurbesuchs sonst vielleicht nicht leisten könnten. Es ist ein unglaublich wertvolles Projekt, das Verbesserungen gleich an zwei Stellen schafft und unbedingt Nachahmer braucht.

Im Februar 2019 wurde in den Medien über Hans Jakob, einen 19-Jährigen mit Down-Syndrom, berichtet. Ein Ulmer Friseur bot ihm ein Praktikum an und wollte ihn anschließend für tausend Euro pro Monat einstellen – durfte es aber nicht. Begründung: Arbeitsstellen für Behinderte werden ausschließlich vom Amt finanziert. „Seine Arbeit bringt dem Betrieb nichts“, urteilte der Integrationsfachdienst.

Das ist nur ein Beispiel dafür, wie Integration und Inklusion oft unnötig erschwert werden. Es braucht mehr Menschen, die einfach mal ausprobieren und einfach mal damit anfangen – wie Sopha. Sie mietet einen Salon, zieht für einen Intensivkurs nach Forchheim, begeistert einen Friseurmeister und schafft damit Inklusion mit doppelter Wirkung.

 
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