Kommentar

Eine gute Wahl

Die Vorort-Rathäuser in Friedrichsfeld, Seckenheim und Rheinau sind nicht länger kopflos. Nach sieben Monaten ist die Leitung wieder besetzt: mit Lena Lawinger, bisher Chefin des Ordnungsamtes in Reilingen. Eine gute Nachricht in den Augen all jener, für die ein Glas immer halb voll ist. Für die anderen eher be-denklich, dass es so lange gedauert hat. Und beide haben Recht.

Die lange Vakanz zeugt in der Tat davon, dass der Posten der Bürgerservice-Leiter wohl nicht mehr ganz so begehrt ist wie in der Vergangenheit. Das hat viele Gründe: Konnte sich ein Gemeindesekretär bis in die 1990er Jahre hinein noch ganz (s)einem Stadtteil widmen, so muss er heute zwischen dreien pendeln.

Hinzu treten Rahmenbedingungen, die seine Möglichkeiten einschränken, sich in das Leben des Stadtteils einzubringen. Ganz bewusst sollen sich die Mitarbeiter auf ihren Dienst konzentrieren, ehrenamtliches Engagement in den Vereinen vor Ort etwa wird nicht gefordert; ja, es besteht bei manchem der Eindruck, es sei gar nicht gern gesehen. Auch die Aufstiegschancen innerhalb der Stadtverwaltung sind offensichtlich begrenzt.

Karrieresprünge in die Region

So kommt es, dass Bürgerdienstleiter nach ihrer Zeit in Mannheims Vororten in die Region entschwinden: Lawingers Vorgänger Stephan Frauenkron als Hauptamtsleiter nach Plankstadt, sein Kollege Rüdiger Wolf gerade aus der Mitte Mannheims nach Ladenburg als Chef des dortigen Ordnungsamtes. Einige schaffen es sogar auf Bürgermeister-Sessel: in Ilvesheim Roland Esche aus Seckenheim, aus Rheinau Patricia Rebmann in Eppelheim und Peter Rosenberger sogar als Oberbürgermeister von Horb.

Lena Lawinger hat nun den entgegengesetzten Weg gewählt. Aus dem beschaulichen Reilingen kommt sie nach Mannheim. Statt für 7600 Bürger ist sie nun für fast 50 000 zuständig – für sie ein Karrieresprung. Aber auch für Mannheim ein Gewinn. Denn in ihrer bisherigen Funktion in Reilingen war sie für nahezu alle Themen zuständig, denen sich Kommunalpolitik heutzutage widmen muss: Kinderbetreuung und Energiewende, Digitalisierung und Verkehrsberuhigung – und dies vor allem aktiv gestaltend.

Dies so fortzusetzen, dazu wird sie im engen Korsett eines Bürgerdienstes wenig Gelegenheit erhalten. Doch ihre Erfahrung in diesen Bereichen können ihren Stadtteilen und deren Bezirksbeiräten nur nützen.

 
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