Kommentar

Eine Frage des Stils

Archivartikel

Die neutralen Fußball-Fans hatten es angesichts der Paarung im 76. Finale um den DFB-Pokal wahrlich nicht leicht. Schließlich war die Aussicht auf den 19. Triumph der Bayern in diesem Wettbewerb ebenso prickelnd wie eine zwei Tage offenstehende Dose eine bekannten Energy-Drinks bei Zimmertemperatur. Und damit wären wir schon beim Gegner der Münchner, dessen Sympathiewerte im zehnten Jahr seines Bestehens jenseits der sächsischen Grenzen weiterhin ziemlich überschaubar sind. Der erste Titel für Leipzig hätte daran wohl wenig geändert, sondern allenfalls die berühmte These bestätigt, dass Geld irgendwann eben doch Tore schießt.

Doch der Pokal-Abend von Berlin schrieb zum Glück eine weitere Geschichte, die selbst den distanziertesten Bayern-Skeptikern so etwas wie Respekt abgefordert haben dürfte. Denn der eigentliche Gewinner des Endspiels in der Hauptstadt war mit Niko Kovac eben gerade kein Vertreter der nervigen „Mia san mia“-Mentalität von der Isar, sondern ein authentisch wirkender Trainer, der sicher seine Lehren aus den ersten zwölf Monaten beim Serienmeister gezogen haben dürfte.

Natürlich sind in München die Ansprüche andere und nationale Titel fast so etwas wie eine Selbstverständlichkeit. Ebenso steht außer Frage, dass sich die Bayern in dieser Saison erstaunliche Aussetzer geleistet haben, in der Bundesliga nicht zuletzt aufgrund der Schwäche der Konkurrenz Erster geworden sind und in der entscheidenden Phase der Champions League einmal mehr den Nachweis der Konkurrenzfähigkeit schuldig geblieben sind.

Alles andere als Ruhmesblatt

Das alles kann man sicher auch Kovac ankreiden, wenn es rein um die Ergebnisse und die Entwicklung der Mannschaft geht und es ist das gute Recht der Bayern-Bosse, trotz bestehender Verträge die Reißleine zu ziehen, wenn die Tendenz ihrer Meinung nach in die eindeutig falsche Richtung geht.

Die Art und Weise, mit der ein gerade noch gefeierter Neuzugang aber immer wieder angezählt und im Ungewissen gelassen wurde, war dagegen alles andere als ein Ruhmesblatt für die Chefetage um Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, der sich wohlgemerkt erst nach dem gewonnenen Pokal-Finale zu einer klaren Aussage durchringen konnte. Dass eine Trennung nie ein Thema gewesen sein, glaubte ihm da schon lange keiner mehr.