Kommentar

Ehrlich zu sich selbst sein

Es ist ein Fortschritt im Sinne der Verbraucher. Egal, bei welchem großen Lebensmittelhändler sie künftig ihr Fleisch einkaufen – sie erhalten eine einheitliche Information über die Haltung der Schlachttiere. Und auch wenn das Tierwohl-Siegel von den Fleischverkäufern selbst statt von einer unabhängigen Stelle stammt, bietet es dem Kunden zumindest eine grobe Orientierung zu den Haltungsbedingungen. Entscheidend für besseren Tierschutz in der Lebensmittelproduktion ist aber nicht die Farbskala eines Aufklebers – es ist das Ernährungs- und Kaufverhalten der Verbraucher.

Wenn ein Kilo Fleisch im Sonderangebot weniger kostet als eine Dose Katzenfutter, dann läuft auf dem Lebensmittelmarkt etwas gewaltig schief. Aber Billigfleisch lässt sich eben nur durch die gnadenlos industrialisierte Aufzucht, Haltung und Tötung von Tieren produzieren. Hier ersetzen Gesetze der Wirtschaftlichkeit den respektvollen Umgang mit anderen Kreaturen. Dort, wo Tiere artgerecht behandelt werden, steigt dementsprechend der Preis für Fleisch. Letztlich liegt es in der Verantwortung jedes einzelnen Konsumenten, den Tierschutz in der Fleisch-erzeugung voranzubringen. Er muss nur beim Einkaufen ehrlich zu sich selbst sein – und die Frage beantworten, ob ihm andere Lebewesen mehr wert sind als 99 Cent je Kilogramm.

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