Kommentar

Die Mutmacherin

Jan Kotulla zur Kämpfernatur von Kristina Vogel

Wenn Kristina Vogel eines nicht möchte, dann Mitleid. So furchtbar und tatsächlich tragisch ihr folgenschwerer Unfall war, die 27-Jährige zeigte bereits kurz nach ihrer lebensverändernden Diagnose eine Energie, die ansteckt. Und hoffentlich jeden einzelnen von uns zum Nachdenken anregt.

Wie oft begegnen wir Rollifahrern, Blinden oder auf andere Weise gehandicapten Personen mit einer Scheu und Unsicherheit, die aus Unkenntnis herrührt. Dass die Redewendung „an den Rollstuhl gefesselt“ diskriminierend ist, darüber gibt es keine zwei Meinungen. Aber ansonsten fehlt oft das Verständnis für den anderen.

Nicht nur in diesem Bereich sollte das Beispiel Kristina Vogel Schule machen. Die junge Frau geht offensiv mit ihrer Querschnittlähmung um. Sie könnte damit ein Vorbild für viele sein. Und den Fokus auf einen weiteren Bereich lenken: die Situation von Behinderten in der Arbeitswelt. Kristina Vogel hat das Glück, dass sie Beamtin auf Lebenszeit ist, der Sportbund, die Sporthilfe und der Radsportverband sich für ihr Aushängeschild engagieren und eine Spendenaktion der zweifachen Olympiasiegerin weitere notwendige Mittel zur Verfügung stellen.

Eine solche Unterstützung kommt leider nicht allen zugute. Viele Betroffene und ihre Angehörigen müssen im harten Kampf mit den Versicherungen und Krankenkassen um Prozentpunkte beim Invaliditätsgrad oder der Pflegestufe unheimliche Energie aufbringen. Vielleicht sorgt auch hier ein prominentes Gesicht dafür, dass ein Umdenken stattfindet.

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