Kommentar

Die Alternative steht

Hagen Strauß über die Kanzlerkandidaten Martin Schulz und Angela Merkel. Während sie für Kontinuität steht, setzt er auf Veränderung.

 

Ernsthaft kann nach dem gestrigen Sonntag keiner mehr behaupten, dass bei der Bundestagswahl im September alle irgendwie ja doch dasselbe wollen. Falsch. Zwischen den beiden, die um das Kanzleramt wetteifern, Angela Merkel und Martin Schulz, gibt es Unterschiede. Das ist deutlich geworden. Politisch und persönlich.

Gänzlich aufgegeben hat sich der SPD-Kanzlerkandidat noch nicht. Obwohl er allen Grund dazu hätte: Die Umfragen verharren im Keller. Die vielstimmige SPD erweckt zugleich nur noch bedingt den Eindruck, als ob sie ums Kanzleramt kämpfen würde.

Und dennoch: Der Kandidat geht den für ihn einzig richtigen Weg. Wo Angela Merkel und die Union eher vage bleiben oder programmatisch im Kleinklein verharren, hält Schulz seit Wochen mit mehr oder minder großen Entwürfen dagegen. Etwa wie gestern mit seinen Vorstellungen "für ein modernes und gerechtes Deutschland". Schulz will einiges anders machen. Das muss er als Herausforderer auch wollen. Vertrackt ist nur, dass er nach jetzigem Stand damit nicht den Nerv der Wähler trifft. Womit Angela Merkel ins Spiel kommt. Wer die Kanzlerin in diesen Tagen beobachtet, der kann erleben, wie gelassen sie auftritt, wie virtuos sie dabei das Bedürfnis eines Großteils der Deutschen bedient, möglichst wenig möge sich bitteschön verändern. Das Programm der Union ist so gestrickt, und Merkel selbst zeigt auf internationaler Bühne, dass sie der Gegenpol zu den breitbeinig nebeneinandersitzenden Putins und Trumps ist.

Auch Merkel geht den für sie richtigen Weg: Sie setzt auf Konstanz. Am Ende wird es darauf ankommen, wer in der heißen Phase des Wahlkampfes, am besten für sich und sein Modell mobilisiert. Die Alternativen sind nun jedenfalls klar: Kontinuität gegen Veränderung. Eine schwierige Entscheidung.