Kommentar

Das Dilemma

Archivartikel

Seit Mitte März steht die Mannheimer SAP Arena leer. Die Eishockey-Saison wurde nach der Hauptrunde wegen der Corona-Pandemie ebenso abgebrochen wie die Spielzeit in der Handball-Bundesliga. Konzerte und Kongresse finden in der Multifunktionshalle ebenfalls nicht mehr statt. An der Tristesse hat auch die Partie der Rhein-Neckar Löwen in der European League gegen den dänischen Vertreter Holstebro am Dienstag nichts geändert. Die SAP Arena hätte zwar 20 Prozent ihrer Zuschauerkapazität ausnutzen können, sah sich aber nicht in der Lage, diese von der Politik Mitte September beschlossenen einheitlichen Regelungen rechtzeitig umzusetzen. Die Folge war ein Geisterspiel, auch zum Ligaauftakt gegen Stuttgart werden die Löwen am Sonntag keine Fans begrüßen.

Und dann? Der zweifache deutsche Handball-Meister will am 11. Oktober gegen Essen zwar die Türen öffnen. Die Frage ist aber, ob Daniel Hopp da mitspielt. Der Geschäftsführer der SAP Arena hat Anfang dieser Woche betont, noch einmal das Gespräch mit den Löwen suchen zu wollen. Er steckt in einem großen Dilemma: Nur zu gerne würde er wieder sehen, wie die beiden Mannheimer Sport-Zugpferde ihre Fans in der SAP Arena begeistern – doch nicht unter den aktuell gültigen Bedingungen.

Wirtschaftlicher Drahtseilakt

Hopp hat die Arena-Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt, Einnahmen sind Fehlanzeige. Und jetzt soll er für eine Veranstaltung die SAP Arena aufschließen, von der er schon vorher weiß, dass sie ihm Verluste einbringt? Der 39-Jährige ist zu sehr Geschäftsmann, als dass er sich darauf ohne ein Entgegenkommen einlassen würde. Geisterspiele sind für ihn wirtschaftlich sogar eher darstellbar als Begegnungen mit einer zu geringen Auslastung, weil er dann nicht die teure Verwaltungsmaschinerie anwerfen muss.

Niemand wird ernsthaft in Erwägung ziehen, die komplette Hallensport-Saison abzusagen – schließlich wären von einer solchen Entscheidung auch die Nationalmannschaften betroffen, die im nächsten Jahr dann wieder ohne Spielpraxis um Medaillen kämpfen sollen. Zudem würde der Ruf darunter immens leiden. Nein, die einzige Alternative ist zu spielen, zu zeigen, dass man noch da ist.

Die Politik muss Leitplanken errichten, unter denen dies möglich ist. Sollte eine Anhebung der Stadionauslastung – und dafür gibt es beim aktuellen Pandemiegeschehen gute Gründe – nicht möglich sein, kann nur ein Hilfspaket die fehlenden Zuschauereinnahmen kompensieren.

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