Kommentar

CDU hat den Blues

Walter Serif zur Debatte über die Kanzlerkandidatur

Putscht Friedrich Merz in zwei Wochen gegen die CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer? Es spricht schon Bände, dass ihm Journalisten diese Frage – die Merz natürlich verneint – im Vorfeld des Parteitags in Leipzig überhaupt stellen. Kramp-Karrenbauer ist selbst im eigenen Lager so unbeliebt, dass die Vorstellung einer Kanzlerkandidatur AKKs den Angstschweiß bei jedem CDU-Anhänger auslösen müsste. Deshalb gibt es so viele Spekulationen und Gerüchte, und deshalb bringt sich Merz zumindest verbal in Stellung. Er fühlt sich nach eigenen Worten ermutigt zur Kanzlerkandidatur. Ob dahinter ein konkreter Karriereplan steckt, bleibt abzuwarten. Bisher hat der CDU-Politiker immer verloren, wenn es ums Ganze ging.

Gleichwohl liegt Merz im aktuellen Politbarometer – bei der Frage nach den Kanzlerkandidaten der Union – vor AKK und den anderen gehandelten Konkurrenten. Die Bürger glauben zwar, dass die Union mit ihm die besten Chancen hätte. Das heißt aber noch lange nicht, dass sie ihn dann auch wählen würden. Mit seinem neoliberalen Profil würde Merz eigentlich eher zur FDP als zu der von Angela Merkel modernisierten CDU passen.

Klar ist aber: Kramp-Karrenbauers Versuch, sich als Verteidigungsministerin mit unausgegorenen Vorschlägen ins Rampenlicht zu stellen, kommt bei den Deutschen bisher nicht an. Ein Grund dafür: Die Menschen interessieren sich weniger für die Außen- und Sicherheitspolitik. AKKs Popularitätswerte sind im Politbarometer denn auch weiter gefallen. Der Griff nach dem CDU-Vorsitz hat sich für AKK nicht ausgezahlt, weil sich die Deutschen inzwischen ein besseres Bild von ihren politischen Schwächen machen konnten. Auch ohne Putsch dürfte der CDU-Parteitag den November-Blues noch verstärken.

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