Kommentar

Branche muss nachdenken

Finn Mayer-Kuckuk über die Folgen des Boeing-Desasters

Vor einem Monat war die Lage genau umgekehrt: Airbus lag am Boden, Boeing erschien als Überflieger. Der europäische Flugzeugbauer musste die Einstellung seines Prestigeprojekts A380 bekanntgeben. Analysten lobten zugleich die Amerikaner dafür, rechtzeitig auf mittelgroße, verbrauchssparende Jets gesetzt zu haben – so wie die 737 Max. Nach den beiden Abstürzen in Indonesien und Äthiopien sowie dem tragischen Tod von fast 350 Menschen ist jedoch alles anders.

Die Boeing-Ingenieure hatten den Auftrag, bei der Runderneuerung der 737 für die Max-Reihe auch den Spritverbrauch zu senken. Die besonders großen Triebwerke, die dafür nötig waren, erforderten mehr aktive Sicherheitsfunktionen in der Steuersoftware. Umfangreichere Tests hätten die Nöte, die Piloten mit den Funktionen haben können, vermutlich zutage gefördert.

Doch Boeing lag bei den Auslieferungen hinter Airbus zurück und stand unter Zeitdruck. Neue Technik am Kunden testen und dann per Software-Update nachzubessern, scheint ein Trend in der Industrie zu sein. Vermutlich hat die 737 Max jedoch keinen grundsätzlichen Baufehler, sondern allenfalls einige Besonderheiten – die aber katastrophale Folgen haben können. Kein Flugzeug ist perfekt. Die Branche muss aber eingehend über das Zusammenspiel von Pilot und Software nachdenken. Wenn Mensch und Maschine im Cockpit ein schlechtes Team sind, drohen weitere Katastrophen.

 
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