Kommentar

Bittere Erkenntnis

Archivartikel

Detlef Drewes über das Auslaufen des dritten Rettungsprogramms für Griechenland: Die Hellenen haben noch viel Arbeit vor sich

 

Für die geplagten Euro-Finanzminister mag das Auslaufen des dritten Hilfsprogramms am 20. August so etwas wie eine historische Stunde sein. Und auch die Hellenen selbst wollen sich dann wieder als die Herren im eigenen Haus fühlen. Aber tatsächlich bleiben Griechenland und seine Regierungen noch auf Jahre hinaus unter der Fuchtel der Geldgeber. Zu groß ist die Sorge der Euro-Familie, dass Premierminister Alexis Tsipras im Vorfeld der Wahlen 2019 in alte Verhaltensweisen zurückfallen und teure Wahlversprechen machen könnte.

Es wäre nicht nur ein Vertrauensbruch gegenüber den Geldgebern, sondern auch ein Rückschlag für die Zusagen, künftig solide zu wirtschaften. Das wird ohnehin nicht einfach. Denn die so lange hinausgezögerten Schuldenerleichterungen fallen deutlich geringer aus als erhofft. Griechenland wird auch weiter unter den Folgen eines Schuldenberges ächzen, von dem sich niemand vorstellen kann, wie dieser jemals abgetragen werden kann.

Die Geldgeber sind skeptisch, weil die Geschichte dieser Krise voller Lügen, Hintertüren und dem Bruch eingegangener Versprechungen ist. Das ist bitter – vor allem für die griechische Bevölkerung, die weiter unter den Folgen der Fehler leiden wird, die die Regierungen gemacht haben. Die Menschen haben einen beispiellosen Absturz erleben müssen.

Das Auslaufen des dritten Hilfspaketes spült noch keineswegs Einkommen in die Taschen, von denen Familien und Rentner leben können. Es fehlen Perspektiven für die junge Generation, für Arbeitslose, für Unternehmen. Griechenland wird weiter Hilfe brauchen – wegen der Haushaltssituation, wegen des sozialen Sprengstoffs, der sich angesammelt hat– und übrigens nicht zuletzt wegen der massiven Herausforderungen durch die Flüchtlingskrise. Denn Hellas gehört zu den in jeder Hinsicht überforderten Staaten an einer europäischen Außengrenze.

Das muss Europa wissen und reagieren. Vielleicht nicht mehr mit Rettungsprogrammen, sicher aber mit Strukturhilfen, humanitären Subventionen und Investitionen, die nicht nur Kanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Emmanuel Macron mit Blick auf die Euro-Zone gerade entwerfen. Athen unter Beobachtung zu halten, mag richtig sein. Aber ohne weitere Assistenz der Partner ist das Land noch lange nicht überlebensfähig – allem Erfolg der Hilfspakete zum Trotz.