Kommentar

Bedeutung schwindet

Archivartikel

Tobias Käufer zum Einfluss der Katholiken in Lateinamerika

Was waren das früher für katholische Festtage, wenn der Papst die Jugend der Welt nach Köln, nach Krakau oder nach Manila eingeladen hat. Bis Sonntag wird in Panama-Stadt die katholische Welt zusammenkommen. Und die Nachrichten im Vorfeld sind aus Sicht der katholischen Kirche beunruhigend. Nur 100 000 bis 150 000 Pilger sollen in das mittelamerikanische Land kommen. Das wäre im Vergleich zu den Millionen in den vergangenen Jahren ein Alarmsignal auf dem Kernmarkt Lateinamerika.

Die katholische Kirche erlebt einen massiven Bedeutungsverlust in Lateinamerika. Die ständig neuen Enthüllungen um immer mehr Missbrauchsskandale und die schleppende Aufklärungsarbeit haben schon in Chile vor einem Jahr bei der Papstvisite für leere Wiesen gesorgt. Dazu kommt, dass es dem politisch eher links einzuordnenden Papst schwerfällt, die Menschenrechtsverletzungen der Linksdiktaturen in Nicaragua, Venezuela und Kuba klar beim Namen zu benennen. Während die Wähler in Lateinamerika genau deshalb einen Rechtsruck nach dem anderen vollziehen, schweigt der Papst zu Folter und Haft in Managua, Havanna oder Caracas.

Das enttäuscht viele konservative Katholiken. Sie zieht es vermehrt zu den rasant wachsenden evangelikalen Kirchen. Der Weltjugendtag in Panama könnte ein Vorgeschmack auf das sein, was kommen könnte: dass die katholische Kirche in Lateinamerika auf lange Sicht zu einer Randerscheinung wird. Angesichts des ersten Papstes aus Lateinamerika wäre das besonders tragisch.

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