Kommentar

Auf Schmalspur

Peter Reinhardt sieht Mängel im Turbo-Studium für Polizei

Es ist kaum zu glauben, dass eine Hochschule in eineinhalb Jahren genauso viel theoretisches Rüstzeug vermitteln kann wie in zweieinhalb. Da muss bisher viel Luft in den Studienplänen sein. Das weckt Zweifel am Konzept von Innenminister Thomas Strobl für ein verkürztes Aufbaustudium bei der Polizei. Die Annahme ist unrealistisch, dass die Beamten im Berufsalltag im Streifendienst so viel Theorie nebenbei lernen, um das Studium fast halbieren zu können.

Deshalb liegt der Verdacht nahe, dass Strobl andere Ziele verfolgt. Durch die Verkürzung des Aufbaustudiums kann er mehr Beamte durch die Hochschule schleusen. Die stehen schneller wieder für den Vollzugsdienst zur Verfügung. Der CDU-Mann erfüllt damit zumindest in einer Hinsicht die alte Forderung der Gewerkschaften, dass alle Polizisten nur noch im gehobenen Dienst eingestellt werden sollten. Der gewollte Nebeneffekt: Dann starten die Beamten ihre Karrieren zwei Besoldungsstufen weiter oben. Nachbarländer wie Rheinland-Pfalz und Hessen haben dies schon lange umgesetzt. Die Polizei-Qualität in Baden-Württemberg belegt, dass das für gute Ergebnisse nicht zwingend ist. Aber die letzten Einstellungsrunden im Südwesten haben gezeigt, dass sich die Polizei im Wettbewerb um gute Köpfe schwerer tut. Mit Abstrichen bei der Ausbildung sollte man aber nicht versuchen, den Beruf attraktiver zu machen.