Kommentar

Auf Experten gepfiffen

Bertram Bähr zu den Vorschlägen der Landes-CDU

 

Waldparkschule Heidelberg, Kerschensteinerschule auf der Schönau und Gerhart-Hauptmann-Grundschule in Rheinau-Süd haben zweierlei gemeinsam: Sie sind Schulen ohne Noten und – im wahrsten Sinne des Wortes – ausgezeichnet. Die Waldparkschule gilt für die Robert-Bosch-Stiftung seit letztem Jahr als eine der fünf besten deutschen Schulen, die Kerschensteinerschule hat es in diesem Jahr beim derzeit laufenden gleichen Wettbewerb bereits unter die Top-20 geschafft und strebt nach Höherem. Und die Gerhart-Hauptmann-Schule ist Träger des Mannheimer Bildungspreises.

Dass diese Schulen mit ihren pädagogischen Konzepten viele Fachleute überzeugen, scheint die Landes-CDU nicht im Geringsten zu beeindrucken. Ganz im Gegenteil: Mit ihren Vorstößen, die unter anderem mehr Frontalunterricht und Noten in Gemeinschaftsschulen vorsehen, missachtet die Partei nicht nur den Wunsch vieler Eltern. Sie pfeift auch auf fundierte Expertenmeinungen.

Als Argument ins Feld führt die CDU immer wieder das schlechte Abschneiden der Schüler in nationalen und internationalen Vergleichsstudien. Vielleicht sollte sie sich einmal mit Andreas Schleicher unterhalten. Er meint: Es braucht keine Noten, um in Schule und Beruf erfolgreich zu sein – und ist selbst das beste Beispiel. In der Grundschule bekam er keine Gymnasialempfehlung. Danach besuchte er die Waldorfschule, machte ein 1,0-Abitur, studierte Mathe und Physik und wurde schließlich Direktor der Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD). Und was noch? Für die OECD entwickelte er die internationale PISA-Studie.

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