Kommentar

AKKs Absage

Hagen Strauß zur Diskussion über die Urwahl des CDU-Kanzlerkandidaten: Die Parteichefin müsste derzeit eine Abstimmung fürchten

Annegret Kramp-Karrenbauers klare Absage an die Urwahl des nächsten Kanzlerkandidaten der Union ist nachvollziehbar. Wäre die CDU-Chefin zu anderem bereit, wäre dies für ihre Partei zwar ein Riesenschritt hin zu mehr Basisbeteiligung im Kanzlerwahlverein. Vor allem aber käme es der Kapitulation der Saarländerin vor schlechten Umfragewerten und den Kritikern in den eigenen Reihen gleich. Und das zwei Jahre vor der nächsten regulären Bundestagswahl.

Im Moment jedenfalls müsste AKK auch eine Urwahl fürchten. Wobei sie im Wettbewerb um den CDU-Vorsitz gezeigt hat, dass sie kämpfen und überzeugen kann. Bei einem Rennen gegen Jens Spahn, Armin Laschet oder Friedrich Merz um die Kanzlerkandidatur wäre die Ausgangsposition aber eine völlig andere – nach jetzigem Stand eine zuungunsten Kramp-Karrenbauers. Aufgrund ihrer vielen Pannen. Das weiß auch die Vorsitzende. Sollte sich der Deutschlandtag der Jungen Union für einen Mitgliederentscheid zur K-Frage aussprechen, wäre dies für Kramp-Karrenbauer sicherlich eine Klatsche. Aber sie kann dann immer noch argumentieren, dass der Parteinachwuchs rebellisch und konfrontativ sein muss. Das gilt selbst für die biedere Junge Union, die sich unter ihrem neuen Vorsitzenden Tilmann Kuban deutlich konservativer gibt.

Wichtiger wird für Kramp-Karrenbauer der Parteitag der CDU im November. Wenn dort das Thema erneut aufgerufen werden sollte und die Mehrheit der Delegierten per Beschluss der Vorsitzenden das erste Zugriffsrecht aus der Hand nimmt, muss Kramp-Karrenbauer in sich gehen. Denn dann hätte ihr der Parteitag das Misstrauen ausgesprochen. Wer die CDU kennt, der weiß, dazu wird es aber wohl kaum kommen.

AKK ist auch so professionell, dass sie zu gegebener Zeit genau abwägen dürfte, wie ihre eigenen Chancen stehen. Und vielleicht verzichtet sie dann doch zum Vorteil eines anderen – wie im Jahr 2002 Angela Merkel, als sie Edmund Stoiber den Vortritt ließ.

 
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