Kino

Zwischen Ekstase und Nervenzusammenbruch

„Christo – Walking on Water“: Regisseur Andrey Paounov zeigt Dokumentation über den Künstler Christo

Christo zählt zu den bekanntesten Künstlern der Welt. Und zu denen mit den wildesten Projekten. In Norditalien zum Beispiel ließ er Menschen über einen See laufen. Aber wie tickt der 83-Jährige? Und wie werden seine Ideen Wirklichkeit? Diese Fragen nimmt sich der Dokumentarfilm „Christo – Walking on Water“ vor. Er zeigt den in Bulgarien geborenen Künstler zwischen Hoffnung und Angst, in Ekstase und nahe am Nervenzusammenbruch.

Das beginnt schon in einer der ersten Szenen, als das Team über einen Katalog zum Italienprojekt berät. „Nein, nein, nein, nein“, sagt Christo. Der Katalog sehe aus wie für ein Kaufhaus, wo man Schuhe, Pfannen und Töpfe kaufen könne. „Das ist eine Horrorgeschichte.“ Irgendwann schreit ihn sein Neffe Vladimir Yavachev an: „Hör zu!“.

Christo hat zusammen mit seiner Frau Jeanne-Claude den Reichstag in Berlin verhüllt und die Pariser Brücke Pont Neuf. Die beiden haben in der Vergangenheit Tausende Tore im New Yorker Central Park aufgestellt und in den USA einen Zaun aus Stoff gespannt. Jeanne-Claude ist vor zehn Jahren gestorben, aber Christo spricht noch viel von ihr. Der Künstler ließ zuletzt in London einen Pyramidenstumpf aus Ölfässern bauen – in Abu Dhabi ist eine größere Variante von „The Mastaba“ geplant.

Regisseur Andrey Paounov hat für seinen Film mehr als 700 Stunden Aufnahmen genutzt. Das Werk wird in 100 Minuten nie langweilig. Er zeigt Christo als Zweifler und Visionär. Und als Menschen. Etwa wenn er zu einer Party von Unterstützern eingeladen wird und viele ihn fragen: „Erinnern Sie sich an mich?“ Er nickt dann höflich. Und scheint froh zu sein, als er mit dem Boot wieder ablegen kann.