Kino

Zurück in die Stein-Zeit

„The Lego Movie 2“: Zweiter Teil der Spielzeugsaga thematisiert den Konflikt zwischen Kindheit und Erwachsenwerden

Wenn man 2014 aus dem Kino kam und „The Lego Movie“ angeschaut hatte, dann lief man latent tänzelnd nach Hause. Denn der Film hatte nicht nur Lego-Plastikmännchen zum Leben erweckt und in Sekunden Welten aus bunten Steinen erschaffen – er hatte auch einen mittelschweren Ohrwurm verursacht. Refrain: „Hier ist alles super, hier ist alles cool, denn du bist nicht allein!“

Fünf Jahre später ist in der Lego-Welt gar nix mehr super und cool. Ein intergalaktischer Krieg ist ausgebrochen, kindlich-dümmliche Invasoren aus der Duplo-Welt haben den Steinchen-Planeten verwüstet. Die letzten Überlebenden hausen in einer staubigen Endzeit-Stadt und sind äußerst übellaunig. Nur einer nicht: Der chronisch gut gelaunte Plastikmann Emmet lässt sich von nichts die gute Stimmung verderben. Er tänzelt immer noch zu „Hier ist alles super!“ durch die Straßen.

Gute Einspielergebnisse

„The Lego Movie 2“ ist die Fortsetzung von „The Lego Movie“ und beginnt genau an der Stelle, an der der erste Teil endete. Dass man diesen zweiten Teil nun sehen kann, ist keine Überraschung. Zu überzeugend waren die Einspielergebnisse von mehr als 460 Millionen Dollar weltweit, zu gut die Werbung für den Lego-Konzern, auf dessen Spielzeugen alles beruht.

Weniger sicher war jedoch, ob „The Lego Movie 2“ auch dieselbe Magie verströmen würde. Das Regie-Duo Phil Lord und Christopher Miller hatte es im ersten Teil geschafft, ein Kindheitsgefühl auf die Leinwand zu bannen. Die Idee: Wer mit Plastiksteinchen spielt, der schert sich wenig um Erwachsenenlogik. Der baut einfach los, biegt gedanklich mittendrin ab, schmeißt Figuren aus unterschiedlichen Universen wie Superheld Batman und Zauberer Gandalf zusammen.

Genau so war der Film: brutal schnell, kreativ, unerwartet. Nebenbei behandelte er irgendwie auch noch das Thema Kapitalismus, so dass auch Kritiker etwas zu diskutieren hatten. Ein runder Film. Bei Teil zwei führte nun Mike Mitchell („Für immer Shrek“) Regie. Lord und Miller steuerten diesmal das Drehbuch bei.

Im Kern geht es um das Aufeinanderprallen zweier Universen. Auf der einen Seite ist die alte Lego-Welt, in der mittlerweile die ernsteren und grimmigen Typen den Ton angeben. Auf der anderen Seite gibt es ein Schwester-Universum, in dem noch alles bunt, fröhlich und zuckrig ist – aber auch irgendwie bedrohlich. In diese Welt werden die Freunde von Emmet entführt. Der Supernormalo muss also wieder zum Held werden und sie retten. Auf dem Weg dorthin lernt er Rex kennen, einen harten Kerl, der Dinosaurier dressiert und Emmet erklärt, wie auch er endlich mal „tough“ und erwachsen werden kann.

War im Vorgänger noch der Konflikt zwischen Kreativität und Bauen nach Anleitung das große Thema, ist es jetzt der Konflikt zwischen Kindheit und Erwachsenwerden. Muss man seine kindliche Unbefangenheit ablegen, weil sich die Zeiten ändern? Muss man ernst werden, weil man alt wird? „The Lego Movie 2“ hat also erneut zwei Zielgruppen: Kinder, die einfach Spaß an der bunten Action haben. Und Erwachsene, die über solche Fragen grübeln.

Szene mit Bruce Willis

Dazu gibt es auch wieder einen Strauß an popkulturellen Anspielungen zu entdecken, die wohl kaum ein Kind versteht. Dazu sei nur so viel gesagt: Bruce Willis kriecht in einer Szene durch einen Lüftungsschacht. Emmets Heimatstadt sieht verdächtig nach „Mad Max“ aus. Und Lego-Batman sagt von sich: „Ich bin eher so der Keaton-Typ.“ All das ist schon ein großer Spaß. „The Lego Movie 2“ ist einer der besseren und klügeren Animationsfilme der vergangenen Jahre. Er muss aber mit der Hypothek leben, sein Publikum nicht mehr so kalt erwischen zu können wie sein Vorgänger – man weiß, was einen erwartet.