Kino

Tauchfahrt in den Tod

„Kursk“: Thomas Vinterberg stellt die Geschehnisse um den Untergang des russischen U-Boots dar

Einen für ihn ungewöhnlichen Stoff hat sich Ex-Dogmatiker Thomas Vinterberg, der zuletzt mit dem hintersinnigen Wohngemeinschafts-Spaß „Die Kommune“ für gute Kritiken und solide Arthouse-Umsätze sorgte, für sein aktuelles Werk ausgesucht. In die (Un-)Tiefen der Barentsee, Randmeer des Arktischen Ozeans, geht es, an Bord der „Kursk“, frei nach tatsächlichen Begebenheiten. Ein U-Boot-Abenteuer, eine – von Wolfgang Petersens „Das Boot“ abgesehen – ausgewiesene US-Domäne, siehe „Eisstation Zebra“, „Crimson Tide - In tiefster Gefahr“ oder Kathryn Bigelows „K 19 – Showdown in der Tiefe“.

Hoffnung auf Hilfe

Des Rätsels Lösung: Matthias Schoenaerts, sein Hauptdarsteller bei „Am grünen Rand der Welt“, hat dem Dänen das Projekt ans Herz gelegt. Entsprechend ist der Belgier in der Hauptrolle zu sehen, als Kapitänleutnant Mikhail Kalekov, Kommandant der K-141 Kursk. Gefeiert wird zunächst auf der Marinebasis. Pavel (Matthias Schwaighöfer), Untergebener und Kumpel Kalekovs, heiratet. Um die für das Fest nötigen Getränke zu bezahlen, versetzt der vorgesetzte Offizier kurzentschlossen seine Uhr. Seit Wochen haben die Seeleute keinen Sold erhalten, ein Hinweis auf die desolaten Zustände innerhalb der Sowjet-Flotte.

Am nächsten Tag, dem 10. August 2000, läuft das Atom-U-Boot mit 118 Mann Besatzung zum Manöver aus. Ein Torpedo bereitet Schwierigkeiten, überhitzt ständig. Dem Vorschlag, ihn abzufeuern, wird widersprochen – das Zielgebiet sei noch nicht erreicht. So kommt es zur Katastrophe, die Lenkwaffe explodiert. Die Kursk sinkt auf den Grund. 23 Männer überleben, retten sich in einen sicheren Abschnitt, darunter Kalekov, der nervenstark handelt und darauf vertraut, dass Hilfe eintreffen wird.

Ein klassisches Thema: eine Gruppe von Leuten auf engstem Raum gefangen, von der Umwelt abgeschnitten. Klaustrophobie, Angst, Ungewissheit. Das ist jedoch lediglich eine Hälfte der Handlung, des von Robert Rodat („Der Soldat James Ryan“) verfassten und augenscheinlich akribisch recherchierten Drehbuchs. Die andere beschäftigt sich mit den Geschehnissen an Land, zeigt die Sorge der zurückgebliebenen (Ehe-)Frauen. Léa Seydoux als Tanya, hochschwangere Gattin Kalekovs, Mutter eines kleinen Sohns, steht da im Fokus. Im Namen aller Angehörigen fordert sie von den verantwortlichen Militärs Aufklärung, will wissen, was man zur Rettung der Besatzung unternimmt. Vergeblich. Eisern wird geschwiegen.

Blauschwarze Bilder

Zudem verweigert die Regierung aus Prestigegründen und Angst vor Spionage internationale Hilfe. Zum Unverständnis des britischen Commodore David Russel (Colin Firth), der Admiral Gruzinsky (Peter Simonischek) persönlich seine Unterstützung anbietet. Doch die Russen bleiben stur. Derweil geht den Eingeschlossenen der Sauerstoff aus.

Eine spannende, glaubwürdige Prämisse. Stimmig ist das Dekor, ob auf dem tristen Stützpunkt oder in der Enge des havarierten Boots. Passend dazu fallen, deprimierend respektive angsteinflößend, die blauschwarzen Bilder des Oscar-prämierten Kameramanns Anthony Dod Mantle („Slumdog Millionär“) aus. Look und Atmosphäre überzeugen.

Das Problem liegt in der etwas behäbigen, zerfahrenen Inszenierung, die nicht zum Thriller-Genre passt. Es fehlt an Spannung und Tempo, auch wenn man wie in diesem Fall schon um den Ausgang weiß. Hinzu kommen zu viele Schauplätze und zig Personen, die miteinander in Beziehung gesetzt werden müssen. Das kostet einerseits Zeit, erlaubt andererseits nur knappe Charakterzeichnungen. Schade um die kompetenten Darsteller, unter ihnen Max von Sydow, Pernilla August, August Diehl und Martin Brambach.