Kino

Spiel aus Schein und Sein

Archivartikel

„Safari“: Eine pointierte Persiflage aufs Online-Dating von Regisseur Rudi Gaul

Die wenigsten werden wohl beim Flirten an Bratwurst denken. Und in den meisten Therapiestunden dürfte es vermutlich auch eher um anderes gehen. Doch die Bratwurst ist gewissermaßen der rote Faden, der sich durch den Film „Safari – Match me if you can“ zieht.

Die deutsche Produktion mit namhafter Besetzung ist eine Persiflage auf das Online-Dating der Neuzeit. Eine Geschichte über unterdrückte Begierden, Verabredungen mit dem Gegenübersitzenden in einer Bar via Smartphone, über Versagen im Bett, über Lug und Trug. In der „Safari“-App können Flirtwillige Profile anlegen mit Fotos von sich und Informationen über ihre sexuellen Vorlieben. Wenn sich zwei per Klick ihre Zuneigung aussprechen – im Fachjargon: matchen - können sie chatten, sich treffen – und danach bewerten. In Sachen Sympathie und Sex. Für alle Nutzer sichtbar.

Regisseur Rudi Gaul, der mit Friederike Klingholz das Drehbuch geschrieben hat, erzählt die Geschichte von acht Leuten als Episoden-Werk. Immer mal wieder lernen die Zuschauer Facetten der Persönlichkeiten kennen. Dann kreuzen sich deren Wege. Mal mehr, mal weniger absichtlich. Mal mehr, mal weniger app-unterstützt.

Unter den Protagonisten sind Tramfahrer Harry (Justus von Dohnányi), der mit der Pseudoidentität eines Piloten Frauen in Hotelbetten verführt. Influencerin Lara (Elisa Schlott) proklamiert in den sozialen Netzwerken gerne ihre Enthaltsamkeit. Arif (Patrick Abozen) ist Verführungskünstler, David (Max Mauff) wartet mit 24 Jahren noch immer auf sein erstes Mal, und die 50-jährige Mona (Juliane Köhler) lebt als Dauersingle in einer WG mit ihrer Tochter und würde gerne mal beim Sex gefesselt werden. Neben den Charakteren lebt der Film von den Dialogen. Dabei geht es schon mal derb zu.

Eine besondere Rolle kommt Harrys Frau Aurelie zu, die als einzige Hauptfigur nichts mit der App zu schaffen hat, aber als Therapeutin mit besagter Bratwurst konfrontiert wird. Bei ihr laufen die Fäden zusammen. Der Satz des Films ist, ausgesprochen mit französischem Akzent: „David, ich bin nicht Ihre Bratwurst“.

Auch Sexszenen zeigt der Film – in jugendfreien Varianten. Und manchmal recht realistisch-unbeholfen. Aus einem nicht ganz verständlichen Grund muss die Künstlerin Fanny schwäbeln. Das wirkt allerdings ganz lustig in einer ebenfalls klischeebehafteten Szene mit einem Wischmopp. Mit derlei Details gespickt werden die knapp 110 Minuten zur kurzweiligen Unterhaltung, die einige Zuschauer vielleicht über ihr eigenes Verhalten in der digitalen wie analogen Welt nachdenken lässt.