Kino

Sommer der Entscheidungen

„Adam und Evelyn“: Romanverfilmung entführt in die DDR und nach Ungarn im ereignisreichen Jahr 1989

„Seit wann weißt du, dass du weg willst?“, fragt Adam. „Seit heute Morgen. Ich hab mich so an den Gedanken gewöhnt, weiter zu fahren“, antwortet Evelyn, melancholisch blickend. Das junge Paar aus der DDR sitzt an einem Abend im Sommer 1989 unter einer lauschigen Pergola in Ungarn und ahnt zu diesem Zeitpunkt noch nicht, wie leicht es kurz darauf sein wird, einfach nach Österreich weiter zu reisen – und damit in den Westen zu flüchten.

Der Roman „Adam und Evelyn“ von Ingo Schulze war Vorlage für einen gleichnamigen Film, der nun im Kino startet. Mitten im Winter wird das Publikum in einen Sommer entführt, der nicht nur besonders warm war, sondern auch historisch bedeutsam. „Guten Abend, meine Damen und Herren. In der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Ungarn haben etwa 30 DDR-Bürger Zuflucht gesucht. Sie hoffen, auf diese Weise ihre Ausreise in den Westen erzwingen zu können“, sagt eine Stimme im Radio.

Im Garten des Paares in der DDR zwitschern die Vögel, zirpen die Grillen und summen die Bienen. Idylle pur. Viele Szenen bleiben lange stehen. In fast jedes Bild können die Zuschauer länger eintauchen. Auch die Dialoge laufen fast in Zeitlupe. Es ist, als ob die Zeit stillsteht im Sommer ‘89.

Adam ist freischaffender Damenschneider, Evelyn Kellnerin. Dann kommt er einer Ex-Kollegin näher. Evelyn erwischt sie – und reist dann anders als geplant nicht mit ihm, sondern mit einer Freundin nach Hamburg. Am Steuer: der West-Cousin ihrer Freundin.

Adam, der Eva hinterhergereist ist, schafft es mit ihr schließlich ganz leicht in den Westen. Der alte DDR-Wartburg passiert den weit geöffneten Schlagbaum an der ungarisch-österreichischen Grenze. Danach wird es schwerer. „Adam hat Eingewöhnungsprobleme“, berichtet Eva einer Freundin. „Von allem zu viel, sagt er: zu viele Worte, zu viele Kleider, zu viele Hosen, zu viele Autos, zu viel Schokolade.“ Und: „Ich glaub, die brauchen hier keine Schneider.“