Kino

Schönschwimmer im Eiltempo

Archivartikel

„Ein Becken voller Männer“: Eine Amateurtruppe reist zu Synchronschwimmweltmeisterschaften

„Männer im Wasser“ heißt eine schwedische Komödie aus dem Jahr 2008, in deren Zentrum ein männliches Hockey-Team steht, das sich – angeleitet von einer Tochter eines der Aquafreunde – für die Weltmeisterschaften im Synchronschwimmen vorbereitet. Als Arthouse-Erfolg erwies sich die Regiearbeit von Måns Herngren, der sich an britischen Komödien wie „Ganz oder gar nicht“ und „Brassed Off – Mit Pauken und Trompeten“ orientiert hat. Das Muster dieser Leinwandspäße ist ebenso einfach wie wirkungsvoll: Abgehalfterte Vertreter des vermeintlich starken Geschlechts legen sich ein ungewöhnliches Hobby zu, um ihrem tristen Alltag zu entfliehen.

Zum Joggen gezwungen

So wie bei „Ein Becken voller Männer“ – ein Déjà-vu-Erlebnis, unterscheidet sich der Film doch nur unwesentlich von Oliver Parkers „Swimming with Men“, der im Juni vergangenen Jahres in den Kinos anlief. Nun also die französische Variante, die 2018 in Cannes Premiere feierte, in Szene gesetzt von Gilles Lellouche („Die wunderbare Welt des Gustave Klopp“), nach einem Drehbuch, das er gemeinsam mit Ahmed Hamidi und Julien Lambroschini verfasst hat. Seine Grundidee: „Ich wollte die Müdigkeit oder vielleicht auch die latente Depression untersuchen, die ich bei Menschen meiner Generation oder ganz allgemein spürte.“ Einen guten Riecher hat der Filmemacher mit dem Stoff bewiesen – über vier Millionen Zuschauer wurden im Entstehungsland gezählt.

Ein Grund könnte sein, dass in dieser Wohlfühl-Produktion die Damen die Hosen anhaben. Die Ex-Profisportlerin Delfine (Virginie Efira), trockene Alkoholikerin, jetzt Schwimmtrainerin, gibt den Ton vor: „Um in diesem Team zu sein, braucht man Willensstärke, Grazie, Rhythmus und einen gesunden Lebensstil“ – und dann zieht sie kräftig an ihrer Zigarette. Gemeinsam mit Amanda (Leïla Bekhti), der auf einen Rollstuhl angewiesenen Tochter des verhinderten Rockstars Simon (Jean-Hugues Anglade), bereitet sie die unfitten Herren auf den überregionalen Wettbewerb vor.

Bunt zusammengewürfelt ist die achtköpfige Truppe, deren Mitglieder in der Folge zum Joggen gezwungen oder zwecks Entschlackung zwei Stunden in die Sauna eingesperrt werden. Unter ihnen befinden sich der schwermütige Bertrand (Mathieu Amalric), der vor zwei Jahren seinen Job verloren hat, der erfolglose Geschäftsmann Marcus (Benoît Poelvoorde) und der jähzornige Laurent (Guillaume Canet), Vater eines stotternden Sohns. Ein prototypisches Figurenensemble, das nach Anlaufschwierigkeiten über sich hinauswächst, um sich schließlich als Amateurensemble in Norwegen der Profikonkurrenz zu stellen.

Alles schon dagewesen. Aber das stört nicht wirklich. Problematisch ist eher, dass der Regisseur an der Oberfläche bleibt, sich für seine Figuren nicht wirklich interessiert. Die Probleme – Krankheit, Arbeitslosigkeit, Arzneimittelmissbrauch, familiärer Zwist – werden nur angerissen und dienen müden Pointen, die gerne auf Kosten der äußeren Erscheinung der doch bewusst wenig attraktiven Schönschwimmer gehen. Der Aspekt des Gruppenzusammenhalts, der neuen Lebensmut schafft, wird wenig herausgearbeitet, die einzelnen Szenen stehen für sich, die Handlung stockt häufig. Dass man dennoch streckenweise kurzweilig unterhalten wird, liegt am erfahrenen Ensemble, das sich schauspielerisch wacker – um beim Thema zu bleiben – über Wasser hält.