Kino

Pfunde für den Ex-Präsidenten

Archivartikel

„Vice – Der zweite Mann“: Christian Bale verwandelt sich in Politsatire zu machtgierigem Politiker

Christian Bale hat sich abermals unkenntlich gemacht. Für die Rolle eines abgemagerten Maschinisten in „The Machinist“ nahm er 30 Kilo ab, für eine Batman-Reihe trainierte er sich einen Superhelden-Body an. Nun verwandelt sich der Brite für „Vice – Der zweite Mann“ in den ehemaligen US-Vizepräsidenten Dick Cheney. Für die bissige Politsatire von Regisseur Adam McKay unterzog sich Bale täglich einer mehrstündigen Prozedur von Make-Up und Silikon-Prothesen, er legte 40 Kilo zu und perfektionierte die Mimik des erzkonservativen Politikers.

In dem Biopic schaut McKay auf 50 Jahre aus Cheneys Leben, angefangen von den frühen 1960er Jahren im US-Staat Wyoming, wo der zukünftige US-Vizepräsident studierte. Aus seiner Abneigung für Cheney macht der Regisseur keinen Hehl. Es geht gleich mit Saufgelagen, dem Rausschmiss aus der Yale-Universität und einer Festnahme wegen Trunkenheit am Steuer los. „Vice – Der zweite Mann“ ist kein biografisch ausgeglichenes Porträt, sondern eine scharfzüngige Abrechnung mit dem extrem umstrittenen Politiker, der wie kein anderer Vize die Macht im Weißen Haus ergriff.

Wie McKay steht auch Bale mit Cheney auf Kriegsfuß. Als der Brite im Januar für seine geniale Darstellung des Politikers mit dem Golden Globe zum besten Komödien-Darsteller gekürt wurde, holte er prompt gegen Cheney aus. „Ich danke Satan für seine Eingebung, wie ich diese Rolle spielen kann“, sagte er in seiner Dankesrede.

Bei der Oscar-Verleihung hat er Chancen auf den Hauptdarsteller-Preis, „Vice“ zieht mit insgesamt acht Nominierungen ins Rennen, auch als bester Film, für Regie und die Nebendarsteller Amy Adams als Lynne Cheney und Sam Rockwell als George W. Bush.

Mit witzigen Einfällen und schräger Inszenierung erzählt McKay Cheneys Karrierestory, während Bale ihn mit immer dickerem Bauch und wachsendem Machthunger porträtiert. Cheney war Stabschef im Weißen Haus unter Gerald Ford (1975-77), Kongressabgeordneter (1979-89), Verteidigungsminister unter George Bush Senior (1989 -1993), wechselte dann in die Privatwirtschaft an die Spitze des Ölservice-Giganten Halliburton. An dieser Stelle bricht der Film mittendrin ab, der Abspann erscheint – und dann geht es mit einem schicksalsträchtigen Anruf von Bush Junior weiter, der den Hardliner zu seinem Vize machen will.

Von 2001 bis 2009 war Cheney die Nummer Zwei unter US-Präsident George W. Bush. Oder vielmehr der eigentliche Strippenzieher, der im Weißen Haus das absolute Sagen hatte, wie es McKay darstellt – bei der Entscheidung für den Irak-Krieg, als Hauptverfechter von geheimen CIA-Gefängnissen, Folter-Verhörmethoden und illegalen Abhörpraktiken. Gewissenlos, machthungrig und ohne jedes späteres Bedauern seiner politischen Entscheidungen.

„Vice – Der zweite Mann“ ist eine amüsante, satirische Mischung aus Politgeschichte und Familiendrama, die konservativen Republikanern garantiert nicht gefallen dürfte.