Kino

Luxustussi im Plattenbau

"High Society": Anika Decker dreht Komödie mit Emilia Schüle, Iris Berben und Katja Riemann

Beim Titel "High Society" schwärmen etwas ältere Filmfans wohl unwillkürlich von der Kinokönigin Grace Kelly, wie sie auf einer Bootstour mit Bing Crosby den romantischen Song "True Love" anstimmte - bevor sie kurz darauf als Fürstin von Monaco selbst die höchste Ebene der Gesellschaft erklomm. Im Jahr 2017 ist "High Society" aus anderem Holz geschnitzt als der Hollywood-Klassiker von 1956 - nicht nur wegen des Untertitels "Gegensätze ziehen sich an": Knallhart richtet sich die gleichnamige deutsche Liebeskomödie von Anika Decker an ein junges Publikum und buhlt mit schnellen Bildern aus dem Berlin der Gegenwart, poppiger Musik und jeder Menge frechen Sprüchen um Aufmerksamkeit.

Dabei hat auch dieser Filmspaß seine Meriten. Die 42-jährige Decker, die als Drehbuchautorin mit Kinohits wie Til Schweigers "Keinohrhasen" (2007) und Detlev Bucks "Rubbeldiekatz" (2011) reüssierte und mit "Traumfrauen" 2016 ihr erfolgreiches Regiedebüt feierte, baut in die von ihr verfasste, eher seicht daher kommende Geschichte durchaus nachdenkenswerte Aspekte ein. Identitätssuche und wahre Werte zum Beispiel. Und ein erstklassiges Darstellerensemble lässt sich spürbar gern mitreißen vom schrägen Geschehen. Macht so aus dieser "High Society" auch eine schrill-amüsante Gesellschaftssatire.

Allen voran agiert Katja Riemann ("Fack ju Göthe") schwer berlinernd als Proletin mit buddhistischen und konsumkritischen Ambitionen. Ihre Carmen Schlonz, eine Supermarktkassiererin, die den Kunden so manches Produkt ausredet, ist die wahre Mutter der Heldin Anabel von Schlacht (Emilia Schüle). Bislang wähnte sich die 25-Jährige nämlich als Tochter einer schwerreichen, wenngleich dekadenten Unternehmerfamilie. Sie lebte ein Leben mit Designerklamotten und Luxusparties, in dem allein ihre Bis-Dato-Mutter Trixi (Iris Berben) nervte. Denn diese Frau mit gelifteten Pobacken und gekauftem Realschulabschluss kreist allein um sich und ihr Image als Charity-Lady. Doch dann stellt sich heraus, dass Anabel als Baby in der Klinik von Prosecco trinkenden Säuglingsschwestern vertauscht worden war.

Also machen sich die im Kern gutherzige Anabel und ihr Gegenstück, die aufstiegswillige Aura Schlonz (Caro Cult), auf den Weg in ihre eigentlichen Elternhäuser: die eine in die modernistische Protzvilla der von Schlachts, die andere in die Plattenbau-WG, in der die Hanf rauchende Mutter Schlonz mit zwei weiteren Kindern von verschiedenen Männern und einem illegalen Untermieter haust.

Die turbulenten Szenen und Begegnungen, die folgen, bis die Heldin am Ende weiß, wer sie wirklich ist und wohin sie gehört, sind wahrhaft leichtfüßige Kinokost. Das sorgt für gute Laune und gelegentlich auch für eine kleine Einsicht.