Kino

Kopfüber in die Nacht

„Nightlife“: Simon Verhoeven inszeniert eine Chaos-Komödie mit Elyas M’Barek, Frederick Lau und Palina Rojinski

Er ist der Umsatzbringer des heimischen Films, strahlender Posterboy, Teenliebling, Traumschwiegersohn: Elyas M’Barek, 1982 in München als Sohn einer Österreicherin und eines Tunesiers geboren, bekanntgeworden als „Cem“ Öztürk der ARD-Vorabendserie „Türkisch für Anfänger“, seit seinem Auftritt als unkonventioneller Lehrer Zeki in den drei „Fack ju Göhte“-Komödien der zurzeit wohl populärste Schauspieler im deutschsprachigen Raum. Für Rekordzuschauerzahlen sorgt er gerade wieder in „Das perfekte Geheimnis“, die Vier-Million-Besucher-Marke wurde bereits kurz vor der Jahreswende geknackt.

Jetzt steht er wieder in den Startlöchern in Simon Verhoevens („Willkommen bei den Hartmanns“) turbulentem Abenteuer „Nightlife“. Einschlägige Erfahrung bringen der Regisseur, Sohn von Senta Berger und Michael Verhoeven, und sein Star in den Film mit ein, Ersterer als fixe Größe der Partyszene der Isarmetropole, Letzterer ist einstiger Mitbesitzer einer Bar in München. Ein Heimspiel für die beiden, ist eine Feierlocation doch Ausgangspunkt ihres in Berlin angesiedelten Spaßes. Hier stehen Milo (M’Barek) und Renzo (Frederick Lau) hinter der Theke – umschwärmt von kreischenden Vertreterinnen des weiblichen Geschlechts. Als Milo eines Morgens zum x-ten Mal mit einem Kater und einer ihm unbekannten Frau im Bett aufwacht, beschließt er, sein Leben radikal zu ändern. Eine eigene Kneipe soll her, dazu geregelte Arbeitszeiten und eine Partnerin, mit der man Kinder kriegen kann.

Ein guter Plan findet auch sein langjähriger Busen-Buddy, der mit der von seinen Eskapaden genervten Freundin solide werden will. Problem: Das Finanzinstitut und sein freundlicher Berater gewähren keinen Kredit. Was Renzo mittels Drogendeal lösen will. Blöderweise kommt ihm dabei das Kokain ebenso abhanden wie das Auto, in dem er die heiße Ware transportiert... Der Beginn einer turbulenten Hatz durch die Spree-Metropole. Ein Rennen gegen die Zeit, erschwert durch den Umstand, dass Milo gerade seine Traumfrau Sunny (Palina Rojinski) kennengelernt und die einem Date zugestimmt hat. Das obwohl sie kurz davorsteht, in den USA als Musikmanagerin einen weiteren Karriereschritt zu tun. Was der Barkeeper mit allen Mitteln vereiteln will, sich jedoch als schwierig erweist, weil sich eine Bande böser russischer Buben ihm auf die Fersen geheftet hat. Einmal ganz abgesehen von dem österreichischen Groß-Strizzi Kempa (Nicholas Ofczarek), der ebenfalls Anspruch auf den Stoff erhebt, obwohl er doch der übellaunigen Gattin einen ruhigen Fernsehabend versprochen hat.

Ein Drehbuch gespickt mit Stereotypen und Klischees. Kaum eine Volte, die man nicht kennt, keine Überraschungen, keine wirklich zündenden Witze. Extrem lang braucht der Filmemacher, zugleich sein eigener Autor, um seine Figuren einzuführen – und dennoch gelingt es ihm nicht, sie zumindest mit einer gewissen Tiefe zu versehen. Die genretypischen Versatzstücke, Autoverfolgungsjagd, Schießerei, Schlägerei, nervöse Hektik, romantische Momente – alles da, leider lieblos, fast beliebig aneinander montiert.

Der Hingucker des Films ist ein Jaguar E Cabrio, kurzweiliges Chaos bietet der Spieleabend, Cosplay inklusive, eines Bankers, derweil der Burgtheatermime Ofczarek die Wampe herausdrückt und den Wiener Proleten gibt und die unkaputtbare Grit Boettcher mit „Berliner Schnauze“ für einen Kurzauftritt in der Tischtelefon-Tanzbar namens „Maratonga“ von Sunnys Papa vorbeischaut. Stückwerk, punktuell amüsant, aber kein einheitliches Ganzes.

Gewohnt gut funktionieren die (Leinwand-)Präsenz und das Charisma von M’Barek, der Lau in „Laurel und Hardy“-Manier die Zappeleinlagen überlässt und sein Herzblatt in spe mit Dackelblick anschmachtet. So bleibt Kollegin Rojinski („Enkel für Anfänger“) nur die Aufgabe, als optischer Reiz zu überzeugen und im Finale in ihrer Muttersprache russisch auf die Ganoven einzuschimpfen. Dann, endlich, Happy End. Wer diese Art Unterhaltung mag, sollte sich eher „Kopfüber in die Nacht“ ansehen. John Landis zeigt da nämlich, wie man solch einen Stoff elegant und clever umsetzt.

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