Kino

In gewohnt schräger Tradition

Archivartikel

„Die Addams Family“: Verrückte Familienkomödie kehrt zurück – in animierter Form

Wie es sich für Vampire und Artverwandte gehört, ist „Die Addams Family“ nicht tot zu kriegen. Auf der Leinwand war der schräge Familienverbund vor 25 Jahren zuletzt in „Die Addams Familie in verrückter Tradition“ zu sehen, der Fernsehfilm „Addams Family – Und die lieben Verwandten“ folgte fünf Jahre später. Gewohnt schräge Unterhaltung boten beide Produktionen, im Gedächtnis sind sie eher wegen der Besetzung der Hauptrollen – Anjelica Huston und Raul Julia bzw. Daryl Hannah und Tim Curry – geblieben.

Für wahre Fans zählt jedoch nur die ursprünglich zwischen 1964 und 1966 ausgestrahlte, auf einer im Magazin „The New Yorker“ abgedruckten Cartoon-Reihe von Charles Addams fußende US-Fernsehserie, die es auf 64 Episoden brachte. Sieben Personen bildeten den Kern der Gothic-Sippe, Mutter Morticia, Vater Gomez, deren Tochter Wednesday und ihr Bruder Pugsley, Onkel Fester, die Oma und der baumlange Butler Lurch. Alle sind sie wieder da – und natürlich auch die berühmte, höchst agile abgeschnittene rechte Hand, im Original „The Thing“ genannt, hierzulande bezeichnet als „eiskaltes Händchen“.

Pünktlich zum Gruselfest Halloween kommt der morbide Spaß in die Kinos, diesmal in computeranimierter Form. Die Regie haben Conrad Vernon und Greg Tiernan übernommen, bekannt geworden sind sie durch „Sausage Party – Es geht um die Wurst“, eine recht ferklige Lebensmittelorgie für Erwachsene. Diesmal ist die Zielgruppe jedoch eine andere, was einen Familienfilm zur Folge hat – mit gebremsten Derbheiten, viel Slapstick und frechen Gags mit zahlreichen popkulturellen Referenzen.

Handgranaten zum Spielen

Hochzeit feiern, ewig turtelnd und verliebt, die spindeldürre Morticia und der kugelrunde Gomez zunächst. Wie es sich für sie gehört auf einem Friedhof – mit einem Pfarrer, der sie in die „gähnende Leere der Ehe“ führt. Rüde unterbrochen wird die Trauung von einem aufgebrachten Mob, der die Addams ob ihrer Nonkonformität mit Mistgabeln aus ihrer Gemeinde jagt. Ein erneuter Umzug steht an, diesmal in eine verfallene Villa, passend eine ehemalige Nervenheilanstalt, die hoch über einer schmucken Kleinstadt thront.

Man richtet sich häuslich ein, bittet den Frankenstein-Klon Lurch, Staub zu verteilen. Ein Familienfest steht an, Pugsleys Mazurka, ein Initiationsritus, bei dem er eine Art Säbeltanz vollführen soll. Problem dabei: Der ungelenke, unsportliche Junge ist diesbezüglich völlig überfordert und, spielt viel lieber mit Handgranaten und anderen Sprengkörpern.

Schwester Wednesday langweilt sich derweilen in der örtlichen Schule – „das ist ein Kindergefängnis“ –, wo sie sich mit der braven Parker anfreundet und diese zum Punk umgestaltet. Deren Mutter wiederum, Margaux Needler, Immobilienmaklerin und Gastgeberin einer „Schöner Wohnen“-TV-Show, macht gegen die Addams und ihr schreckliches Spuk-Heim mobil.

Wie im Original liegt der Reiz auch hier im Umstand, dass die Familie Addams einfach „anders“ ist. Schönes Wetter heißt für sie Donner, Blitz und Stark-regen, die Kinder vergnügen sich mit Armbrüsten und Guillotinen. Dem gegenüber steht die typisch „heile“ US-Konsumwelt, bonbonbunt und kitschig, mit ironisch gezeichneten Figuren wie Mama Needler, deren toupierte Frisur nicht von ungefähr an die von US-Präsident Donald Trump erinnert.

Originelle Figuren

Aktuelle Themen wie Fake News und Internet-Mobbing werden angesprochen, für gegenseitiges Verständnis und ein friedliches Miteinander wird im Subtext geworben. Im Mittelpunkt steht jedoch der Spaß. Originell ausgearbeitet sind die Figuren, liebevoll gestaltet – wenn auch einfach gehalten – die Hintergründe. Mit viel Musik – unter anderem von Snoop Dog, Christina Aguilera und Johann Sebastian Bach – wird für zusätzlichen Schwung gesorgt, immer wieder erklingt das höchst eingängige, von Vic Mizzy geschriebene „Addams Family“-Thema, für das Lurch an der Orgel beherzt in die Tasten greift.

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