Kino

Des Satans jüngster Sohn?

„The Prodigy“: In Nicholas McCarthys Horrorthriller kämpft Taylor Schilling um ihren Sohn

Taylor Schilling, populär geworden durch die Hit-Serie „Orange Is the New Black“, wo sie wegen Drogenkonsums im Gefängnis landet, verschlägt es ins Horror-Genre. In „The Prodigy“ spielt sie eine Mutter namens Sarah, dessen Sohn Miles (Jackson Robert Scott) ein beunruhigendes Verhalten an den Tag legt, was darauf hindeutet, dass eine böse, übernatürliche Kraft in der Vergangenheit von ihm Besitz ergriffen hat. Ein Psychotherapeut (Colm Feore), den Sarah konsultiert, versucht mittels Hypnose, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen.

Erfahrenes Team

Ein Dutzendplot, schon x-fach auf der Leinwand durchdekliniert. „Das Omen“, „Der Exorzismus von Emily Rose“ und natürlich „Der Exorzist“ kommen einem in den Sinn. Auf letztgenannten Kinomeilenstein William Friedkins bezieht sich Nicholas McCarthy („The Pact“) in seiner dritten Regiearbeit explizit, den Fokus legt er auf die ungewöhnliche Mutter-Kind-Beziehung. So tut die Mutter zunächst alles für das Wohl ihres intelligenten Sohnes. Im Zuge ihrer Nachforschungen stößt sie schließlich auf einen toten Serienkiller, der ähnlich beängstigende Verhaltensmuster an den Tag legte wie nun ihr Miles.

Auf Thrill und Schock baut diese Schauermär, für die der Filmemacher ein einschlägig erfahrenes Team um sich geschart hat. Das Drehbuch stammt aus der Feder von Jeff Buhler („Friedhof der Kuscheltiere“), die an den Nerven zerrende Filmmusik komponierte Joseph Bishara („The Conjuring“), die Produktion hat Tripp Vinson („The Rite – Das Ritual“) übernommen, und den kleinen Protagonisten kennt der Gänsehautfan aus der Zombie-Serie „Fear the Walking Dead“ und der Stephen-King-Verfilmung „Es“. Keine Frage, hier wurde nichts dem Zufall überlassen.

Zumal der Regisseur in Interviews zugegeben hat, dass nach den ersten Test-Screenings einige äußerst gewalttätige Szenen entfernt wurden. Doch die Arbeit bleibt auch so erschreckend genug – was schon das Filmplakat, halb Gesicht, halb Totenschädel belegt. Besondere Erwähnung verdient in Sachen Unbehagen die schleichende Kameraarbeit von Bridger Nielson („The Core“), der primär auf dunkle Farben setzt und sich gut auf das Spiel mit Licht und Schatten versteht. Gekonnt unauffällig nähert er sich Miles’ Augen, scheint durch sie in dessen Gehirn eindringen zu wollen, um dessen Mysterium auf die Spur zu kommen.

Der entscheidende Kniff war aber die Besetzung Taylor Schillings, auf deren Seite man sich sofort schlägt. Sie verkörpert ihren durchaus komplexen Part überaus empathisch, durchläuft eine langsame Verwandlung und muss schließlich im dritten Akt eine schlimme Entscheidung treffen.

Am Ende will das Werk jedoch nie mehr sein als es ist: spannende, unterhaltsame Popkorn-Kost, bei der eingefleischte Gruseladepten gerne über gewisse Logiklücken hinwegsehen.