Kino

Charlotte Gainsbourg als Über-Mutter

„Frühes Versprechen“: Regisseur Eric Barbier erzählt die Geschichte des französischen Autors Romain Gary

Anfang der 1920er Jahre in Osteuropa: Im tiefsten Winter läuft ein Junge vermummt durch das Gassengewirr einer Stadt. Das Schneetreiben wird immer dichter – plötzlich taucht seine Mutter wie ein Gespenst vor ihm auf, schüttelt ihn und weist ihrem Sohn den Weg: „Du wirst Botschafter. Du bist der Schönste und Größte“.

Diese geisterhafte Begegnung ist der Auftakt für eine abenteuerliche Mutter-Sohn-Beziehung, die sich über mehr als zwanzig Jahre erstreckt und von Warschau über Nizza bis zu den Schrecken des Zweiten Weltkrieges führt. Der französische Regisseur Eric Barbier erzählt in seinem opulenten, hochkarätig besetzten Biopic „Frühes Versprechen“ die Lebensgeschichte des französischen Autors, zweifachen Prix-Goncourt-Trägers und Diplomaten Romain Gary (Pierre Niney), der von seiner alleinerziehenden Mutter Nina (Charlotte Gainsbourg) abgöttisch geliebt und zugleich zu Höchstleistungen angespornt wurde.

Grundlage dieser über 24 Millionen Euro teuren europäischen Produktion ist Garys Autobiografie „Frühes Versprechen“, in der Fakten und Fiktion nicht immer glasklar zu trennen sind. So konnte sich auch Eric Barbier Freiheiten nehmen und die Mutter-Sohn-Geschichte zuspitzen.

Eine große Rolle für Schauspielerin und Sängerin Charlotte Gainsbourg: Ende 2017 brachte die Tochter von Chanson-Legende Serge Gainsbourg und Schauspielerin Jane Birkin ihr Album „Rest“ heraus. Davor stand sie in provokanten Filme wie „Nymphomaniac“ vor der Kamera. Jetzt spielt sie mit großem Einsatz eine Mutter, deren Liebe für ihren Sohn ihr über alles geht.

Von der ersten Szene an bemüht sich Nina, ihren Sohn zur Berühmtheit zu machen. Getrieben wird sie von ihrer unverbrüchlichen Liebe zu Frankreich. Als sie endlich mit Romain ins gelobte Land reisen darf, muss sich ihr Sohn als Autor behaupten. Als eine Kurzgeschichte von ihm erscheint, ist dies das größte Glück dieser Frau. Später lassen ihre Kräfte nach, da ist es dann der Sohn, der sich um die Mutter kümmert.

Schwer herzkrank schreibt Nina im Krankenhaus Hunderte Briefe, die ihr Sohn, der im Zweiten Weltkrieg kämpft, erst nach und nach erhält. So erfährt er erst Jahre später vom Tod seiner Mutter.