Kino

Über das Anderssein

"das Löwenmädchen": Ein sehenswerter Film

Als die kleine Eva Arctander 1912 in einem norwegischen Ort zur Welt kommt, trauen die Menschen ihren Augen nicht. Das Baby ist am ganzen Körper behaart wie ein Löwe - und von Geburt an verdammt zu einem Leben als Außenseiter. Der Vater, der sich schämt, lässt seine Tochter fast nie aus dem Haus. Als sie endlich zur Schule darf, wird sie gehänselt. Doch obwohl sie mit ihrem Äußeren ringt, gibt Arctander ihren Traum nicht auf. Der Kinofilm "Das Löwenmädchen" nach einem Roman von Erik Fosnes Hansen erzählt die Geschichte einer Frau, die trotz ihres Andersseins ihren Weg findet.

Dass sie anders ist, merkt Eva schnell. "Andere haben ein Gesicht, ich nicht." Trotzdem ist sie neugierig auf die Welt draußen. Wenn sie den Vorhang zur Seite zieht, um die anderen Kinder zu beobachten, wie sie auf der Straße im Schnee spielen, straft ihr Vater sie.

Der Anblick des Löwenmädchens schmerzt ihren Vater umso mehr, weil seine geliebte und schöne Frau bei dessen Geburt gestorben ist. Evas unbändiges Temperament überfordert ihn. Rolf Lassgård überzeugt als zwischen Liebe und Scham zerrissener Vater Gustav Arctander.

Zwischenzeitlich steht der Mime in dem melancholischen Streifen fast zu sehr im Mittelpunkt, während die Entwicklung der Protagonistin, gespielt von drei verschiedenen Schauspielerinnen (Aurora Lindseth Løkka als Siebenjährige, Mathilde Thomine Storm als 14-Jährige und Ida Ursin-Holm als junge Frau), erst spät Fahrt aufnimmt. Der Film, eine norwegisch-deutsch-schwedische Co-Produktion, beschreibt vor allem das Gefühlsleben einer jungen Frau, die dieselben Träume und Wünsche hat wie andere in ihrem Alter, aber nirgendwo dazugehört, und die Reaktionen ihrer Umwelt.