Kino

„Alpha“: Ein Abenteuerfilm von Albert Hughes, der sich in Sachen Tonalität und Thema sichtlich schwertut

20 000 Jahre vor unserer Zeit

Archivartikel

Selbst frühzeitliche Abenteuer tauchen im Kino regelmäßig auf. Ex-Beatle Ringo Starr gab den „Caveman – Der aus der Höhle kam“ (1981), Raquel Welch, It-Girl der Sixties, turnte „Eine Million Jahre vor unserer Zeit“ (1966) leicht beschürzt über die Leinwand, und Jean-Jaques Annaud räsonierte in „Am Anfang war das Feuer“ (1981) über den Ursprung der Menschheit.

Komödie, (Sex-)Action, Drama... die prähistorischen Zeiten bieten Stoff für jeden Geschmack. Das hat auch „The Book of Eli“-Regisseur Albert Hughes erkannt und sich mit „Alpha“ in die letzte Eiszeit begeben, laut Erzähler Morgan Freeman ins Europa vor 20 000 Jahren.

Eine Bisonjagd eröffnet die Handlung. Mit dabei ist zum ersten Mal Häuptlingssohn Keda (Kodi Smit-McPhee), der hier seine Reife beweisen soll –ein klassisches Motiv im Initiationsfilm. Als er die Nerven verliert, nimmt ihn ein Büffel auf die Hörner und schleudert ihn in eine Schlucht.

Totgeglaubt, wird er von seinen Männern auf einem Felsvorsprung zurückgelassen. Doch er hat, am Bein schwer verletzt, überlebt. Mühsam klettert er die steile Wand hinab ins Tal, Erinnerungen an die atemraubenden Freeclimber-Dokumentationen von Servus TV werden wach. Den finalen Sturz bremst eine durch heftige Regengüsse ausgelöste Springflut.

Nun gilt es für den verängstigten Helden – nach dem rudimentären Debütdrehbuch von Daniele Sebastian Wiedenhaupt, dessen in einer unverständlichen Sprache abgefassten Dialoge via Untertitel „übersetzt“ werden –, sich zu seinem Stamm zurück zu kämpfen. Ein Wolf, der ihn angegriffen und den er dabei mit seinem Messer verletzt hat, wird ihm zum Gefährten.

Langsam nähert sich das ungleiche Paar an und fasst zueinander Vertrauen, bis sie sich schließlich gemeinsam den zahlreichen Herausforderungen der Natur stellen. Sie müssen in Sicherheit gelangen, ehe der Wintereinbruch ein Überleben unwahrscheinlich macht. Womit die Arbeit sich in sattsam bekannten Disney-Gefilden – das Tier, der beste Freund des Menschen – wiederfindet. Ein weiterer erzählerischer Haken, der davon zeugt, dass man nicht genau wusste, welche Richtung diese zum großen Teil in Kanada gedrehte Produktion nehmen sollte. Selbst die Macher scheinen an ihren Film nicht wirklich geglaubt zu haben, hat man in den USA doch den Start mehrfach verschoben, ehe er dann mit einjähriger Verspätung anlief.

Hinzu kam schlechte Presse, als bekannt wurde, dass vier Büffel geschlachtet wurden, um deren Kadaver bildstark zu verwenden. Dies erklärt, warum der im Abspann sonst übliche, gerne Heiterkeit erregende Passus „Beim Dreh wurden keine Tiere verletzt“-Verweis fehlt.

Imposante Landschaften

Bleiben auf der Habenseite lediglich die imposanten Landschaftsaufnahmen des österreichischen Kameramannes Martin Gschlacht („Die Wand“), die im Gegensatz zu den wohl mangels ausreichenden Budgets schwachen visuellen Effekten stehen. Besonders augenfällig wird dies bei einem Kampf zwischen dem Wolf und einer Raubkatze, wo deutlich zu erkennen ist, dass dieser am Computer entstanden ist.

Da hilft es auch nicht, dass man die Auseinandersetzung in die Dunkelheit verlegt hat, um die offensichtlichen Defizite der Szene zu kaschieren. Schade eigentlich, denn insgesamt wäre aus dem Stoff viel mehr zu machen gewesen – sei es auf inhaltlicher, technischer oder künstlerischer Ebene.