Käfertal

Käfertal Ben König und Marco Weßling legen als elektromusikalisches Projektduo im Heartbeat-Studio auf

1990er-Hits neu gemischt am DJ-Pult

Archivartikel

Wummernde Beats bringen den Saalboden zum Vibrieren. Mit wippenden Knien sehen die beiden DJs Ben König und Marco Weßling auf der Bühnenkanzel und feiern als elektromusikalisches Projekt „Jammin/Pillow“ ihre Premiere. Hinter den Laptops kreuzt das schöpferische Duo digitale Geräusche mit altbekannten Pop-Hits der 1990er Jahre. Jedoch finden sich nur wenige Besucher zu dem Spektakel im Heartbeat-Tonstudiokomplex auf dem Käfertaler Konversionsgelände Benjamin Franklin ein.

Auf der Bühne zitieren die DJ-Künstler Ben König und Marco Weßling mehrere Takte aus älteren Stücken wie „100% Pure Love“ von Crystal Waters von 1994, „Otherside“ von den Red Hot Chili Peppers von 2000 und der rasanten Nummer „Hey Boy Hey Girl“ von The Chemical Brothers. An seinen Laptops kreiert das Zweigespann Ben König, der auf den Künstlernamen „Ben Jammin“ hört, und Marco Weßling, der sich den Künstlernamen „Pillow“ verpasste, eine stilistische Allianz aus elektronischer Musik sowie Rock und Pop.

Tatöwierung erinnert an Autor

Später wagen sich doch einige jugendliche Besucher auf die Tanzfläche. Zwischendurch zieht DJ Marco „Pillow“ Weßling, der auf dem rechten Oberarm die Fantasy-Figur „Rattentod“ aus der skurrilen Scheibenwelt des 2015 verstorbenen Schriftstellers Terry Pratchett als schwarze Tätowierung trägt, an einer silbernen E-Zigarette. „Diese Tätowierung ließ ich mir an meinem 18. Geburtstag stechen. Terry Pratchett ist mein Lieblingsautor“, erzählt der 34-Jährige.

Im Veranstaltungssaal des neuen Käfertaler Heartbeat-Tonstudios experimentieren die beiden Sound-Künstler mit repetitiven Klangmustern, die sich phasenweise Takt für Takt als Loops wiederholen. Nachdem das zweiköpfige Sampling-Projekt bekannte Popmelodien wie „Saturday Night“ von Whigfield, „I Want It That Way“ von den Backstreet Boys und „Zombie“ von The Cranberries digital auseinandergenommen hat, fertigen die improvisierenden DJs aus dem rohen Material frische Sound-Collagen an. Außerdem jagen die Geräuschkünstler das Prinzen-Lied „Alles nur geklaut“ durch ihren Filter.

In der technoiden Szene hat sich dazu der beschreibende Begriff „Bastard Pop“ etabliert. Übergangslos springen die kreativen Knöpfchendreher von Stück zu Stück, während im Saal ein Erdbeben der elektronischen Klangfülle hereinbricht. Außerdem widmen sich die beiden Bühnenakteure dem in Moll runtergestimmten Popsong „Hit Me Baby One More Time“ von Britney Spears, mit dunkler Soul-Stimme verfremdet. Zu diesem Lied hat im Frühjahr 1999 ganz Deutschland gesungen und getanzt. Aus den Lautsprechern fließen blubbernde, zirpende und fiepende Töne. Bisweilen klingelt und bimmelt dieses angerührte Elektro-Gemisch aus allen Richtungen.

Durch Laptop-Reißwolf gedreht

Mit durch den Laptop-Reißwolf gedrehten Songs wie „Let’s Talk About Sex“ von Salt’n’Pepa und „Lovefool“ von The Cardigans begeben sich König und Weßling auf eine Art psychedelische Zeitreise. Und die Zuhörer reisen mit. „Es war ein Experiment im Rahmen des Käfertaler Kultursommers“, schilderte Mischpult-Meister Ben König nach dem Konzert. „Die Hits dienten als Wiedererkennungswert, als alte Sachen neu verpackt.“ Fortan möchte das Projektduo weitere gemeinsame Auftritte bestreiten.