Innenstadt / Jungbusch

Sommerserie „Erfolgreich im Stadtteil“ Bei Jacqueline Yildirim und ihrem Unternehmen Jacq GmbH dreht sich alles um bequeme Schuhe

Hochhackig mit eingebautem Dämpfer

Archivartikel

Firmengründerin Jacqueline Yildirim hatte die Idee für ihre eigene Firma: „Ich war auf einer Tagung und hatte den ganzen Tag sehr hohe Schuhe an. Als ich abends zum Hotel gehen wollte, da taten mir die Füße so weh, dass ich die Schuhe auszog und barfuß in die Unterkunft ging. Da hatte ich den Gedanken, dass das doch so gar nicht sein muss. Das geht doch sicher bequemer“. Aus dieser einfachen Idee wurde 2014 ein Konzept entwickelt.

Die junge Unternehmerin, die zuvor bei einem Weltunternehmen in Walldorf im Vertrieb gearbeitet hatte, setzte sich mit einem amerikanischen medizinischen Unternehmen zusammen, das Hilfsmittel zur Entlastung der Bandscheiben herstellt. Aus dieser Zusammenarbeit entstand ein Material, das mittlerweile patentiert ist. Yildirim machte sich zuvor auf die Suche nach bequemen, aber auch schönen, attraktiven Schuhen, zunächst einmal ohne Erfolg. „Nach einigen Versuchen, Prototypen mit einem Orthopäden und einem Schuhmodelleur anzufertigen, stand für mich fest, dass es mit herkömmlichen Dämpfungsmaterialien nicht möglich ist, Schuhe vor allem mit hohen Absätzen alltagstauglich und schmerzfrei zu machen“, so ihre Erkenntnis.

Als Marke registriert

Doch sie gab nicht auf – forschte weiter und fand eine Lösung: Sie entwickelte mit Unterstützung einer US-amerikanischen Firma einen Werkstoff, der die Wirkung der Bandscheibe im menschlichen Bewegungsapparat nachahmt und als Dämpfung für die Fußsohlen wirkt. Im November 2014 gründete sie das Unternehmen Jacq GmbH.

Ihre Innovation, ein sogenanntes Scientific Plastic, ist ein Hightech-Material zur Druckabsorption und wurde unter dem Namen Comduren inzwischen sowohl als Marke als auch als Patent registriert. Nun konnte die Unternehmensgründerin Gas geben, die im Oktober 2015 ihre Stelle gekündigt hatte, um sich in Vollzeit ganz ihrem jungen Unternehmen widmen zu können. Alle Signale standen auf Grün.

„Zum Anfang des Jahres 2016 ist die Finanzierung vor allem durch ein Venture Capital der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft Baden-Württemberg gesichert. Und ich habe mit Bernhard Küppers einen Investor gewonnen, der mich beim Geschäftsaufbau und der Geschäftsführung unterstützt“, berichtete sie.

Potenzielle Kunden aus der ersten Liga der Schuhhersteller geben sich bei JACQ inzwischen die Klinke in die Hand. Mit vier Interessenten ist Yildirim derzeit im Gespräch, darunter mit einem führenden deutschen Anbieter von Sportschuhen. „Wir möchten Comduren nun in Form von Lizenzen an Partner in der Schuhindustrie verkaufen. Erste Verträge wurden 2016 abgeschlossen “, ist Yildirim von ihrer Innovation überzeugt. Die Firma der Existenzgründerin hat ihren Sitz im Mannheimer Kreativwirtschaftszentrum C-Hub.

Doch dann tat sich eine Schwierigkeit auf, die ihr Unternehmen nicht ausgleichen könnte. Frauen lassen sich im Online-Handel oft die gleichen Schuhe in mehrerer Größen schicken, was zu enormen Zahlen bei Rückläufern führt. Daraus entstand eine zweite Idee, die in der Hight-Tech-Schmiede entwickelt wird. Dabei nimmt das Smartphone eine wichtige Rolle ein. Immer mehr Produzenten dieser Geräte statten ihr Mobilfunkgeräten mit Fotoapparaten aus, die dreidimensionale Fotos machen können „Wir entwickeln eine App, mit der Rückläufer in der Schuhindustrie vermieden werden können“, so Yildirim.

Die Unternehmerin macht dies deutlich: „Es gibt weltweit keine einheitlichen Standards für Schuhgrößen“. Daher gebe es viele Retouren, vor allem bei großen Online-Versendern. In der Mode-Industrie betragen diese Rücksendungen fast 50 Prozent, weiß Yildirim. Mit einem Smartphone, das 3-D-Technologie besitzt, können die Füße fotografiert werden. Mit Hilfe einer Cloud-Plattform können Schuhe quasi selbst designt werden, zumindest kann aber die Schuhgröße und die Passform praktisch durch ein Selfie bestimmt werden. Mit Hilfe mathematischer Algorithmen können die Händler zu Erkenntnissen über Kaufverhalten, Trends und Passform ihrer Kunden gelangen und sich selbst so nach und nach verbessern. Würden sich die Retouren zum Beispiel bei Zalando nur um zehn Prozent pro Jahr verringern, dann würde der Gewinn nur bei diesem Unternehmen geschätzt um 17,1 Millionen Euro jährlich steigen.

Personal gesucht

„Wir gehen davon aus, die Rückläufer auf diese Weise um 70 Prozent zu verringern. Also steigt der Nutzen für Online-Händler um ein Vielfaches“, ist sich Yildirim sicher, die die App zusammen mit drei Mitarbeitern des Software-Konzerns SAP entwickelt hat. Bereits Ende des Jahres soll das Produkt die Probephase verlassen und auf den Markt gelangen.

„Einige Kunden sind sehr interessiert an unserem Produkt“, sagt Yildirim, die bei der Entwicklung die Nase vorne haben möchte vor Mitbewerbern. Aber dazu braucht es Personal. Sie benötigt nun noch dingend weitere IT-Fachleute. Und da hat sie im Südwesten eine fast schon traurige Erfahrung gemacht: „Hier ist es sehr schwer, gutes Personal zu finden.“